1956 kaufte ich mir für 1000 Mark einen gebrauchten Ford-Taunus vom Baujahr 1949, Benannt „Ford-Buckel“, der schon eine unvorstellbare Summe auf dem Kilometerzähler hatte. Schön war er nicht; schnell war er nicht; von der Straßenlage will ich gar nicht sprechen, der Komfort war gleich null. Er hatte – wenn ich es recht bedenke – nur einen Vorteil, doch der war entscheidend: Er lief immer und war in drei Jahren nur zwei- oder dreimal in Reparatur. Auch 1959, als ich ihn – zehn Jahre alt – nach einer weiteren Umdrehung des gesamten Kilometerzählers verkaufte, fiel er nicht etwa seinen Gebrechen, sondern meinem etwas gewachsenen Wohlstand zum Opfer. Ich bekam noch 400 Mark für den Wagen und könnte mir vorstellen: Wenn er nicht verunglückt ist, dann läuft er heute noch.

Ich mußte oft an meinen „Ford-Buckel“ denken, als ich jetzt den tschechischen „Skoda 1000 MB“ fuhr, obwohl ich ihm damit sicher in vielen Punkten unrecht tue. Zwar: Schön ist er ebenfalls nicht, und der Komfort ist auch nicht mit dem westlicher Wagen zu vergleichen. Aber in der Geschwindigkeit und in der Beschleunigung kann der „Skoda 1000 MB“ durchaus mit anceren Wagen dieser Preisklasse konkurrieren.

Die ermittelte Höchstgeschwindigkeit – rund 125 Stundenkilometer – hält er auf längeren Strecken durch. Dabei hat der Motor noch immer ein angenehmes Fahrgeräusch. Da er sich außerdem noch bei Talfahrten überdrehen läßt, kann man selbst bei sehr bergigen Autobahnstrecken eine Reisegeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern halten.

Auch die Straßenlage ist – und da ist er dem „Ford-Buckel“ weit voraus – besser als bei anderen Wagen dieser Klasse, vor allem besser als die des Volkswagens. In einigen Situationen sollte man vorsichtig sein: Scharfes Gasgeben in Kurven, Verreißen der Lenkung in Kurven, Gaswegnehmen auf nassen oder vereisten Straßen – das alles bekommt dem „1000 MB“ – wie vielen anderen Heckmotorwagen – nicht gut. Der Normalfahrer wird dann bei hoher Geschwindigkeit schlecht mit ihm fertig. Er muß dann etwas geruhsamer fahren – was nicht langsam heißen soll.

Der Haken kann aber – statt beim Heckmotor – auch bei der Federung liegen (vorn und hinten Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer, hinten Drehstabstabilisator), denn der Wagen liegt insgesamt auf schlechten Straßen relativ besser als auf guten. Er ist also offenbar mehr für ein östliches Straßennetz gebaut als für ein westliches. Seitenwind wiederum macht dem „1000 MB“ wenig aus.

Ich wurde wohl deshalb so oft an den Buckel erinnert, weil dieses Auto aus Mladá Boleslav einen unverwüstlichen Eindruck macht und sicher selten eine Werkstatt braucht. Allerdings kann ich nach zwei Wochen Testzeit und rund 4000 Kilometer Fahrstrecke nichts beschwören, aber schon der Laie kann erkennen: Der „Skoda 1000 MB“ ist ein robustes, solide verarbeitetes Auto. Da klappert nichts, da wird auch voraussichtlich nichts klappern, das fühlt sich alles ganz massiv an, das funktioniert und wird funktionieren, und selbst die Tachometernadel zeigt auf den Kilometer genau an.

Vielleicht liegt es daran, daß die Automation im Skoda-Werk noch nicht so fortgeschritten ist wie in den meisten westlichen Werken und manches noch von Hand zusammengebaut wird – ein Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte. Vielleicht ist es auch so, daß bei kleineren Produktionszahlen – an unseren gemessen – dem einzelnen Wagen mehr Sorgfalt zukommt. Gewiß ließen sich aus dem 988-ccm-Motor noch ein paar PS mehr herausholen. Seine Lebensdauer würde das nicht erhöhen. Auch bieten die meisten Konkurrenten mit 42 PS mehr Geschwindigkeit – zum Teil erheblich mehr. Die Frage bleibt: Wie lange?