Von Peter Neugebauer

Ein köstlicher Wein“, bemerkte der Gast und betrachtete genüßlich sein Glas mit weißem Burgunder, „einfach herrlich...“ Er nahm einen Schluck und schlürfte ihn mit Kennermiene. „Freut mich, daß er Ihnen mundet“, sagte der Hausherr.

Im Kamin war gedämpft und hohl das Heulen des Windes zu hören. Sinnend blickte der Gast in das prasselnde Feuer.

„Die richtige Szenerie für einen einsamen Schloßherrn, dessen Ahnen bei abergläubischen Zeitgenossen als Werwölfe und Vampire verschrien waren. Die Gruselanekdoten über Ihre Vorfahren waren sehr amüsant, Baron.“

Der Besucher leerte sein Glas und erhob sich. „Es ist spät. Bereits Mitternacht. Ich habe Ihre Gastfreundschaft schon über Gebühr in Anspruch genommen.“

Der Baron machte mit einer knochigen, wächsernen Hand eine beschwichtigende Bewegung. „Ich freue mich über jeden Besuch hier oben“, sagte er, „leider kommt selten jemand zu mir.“

Der Gast schlenderte durch das Zimmer. „Diese herrlichen alten Bilder und Möbel“, rief er und betrachtete einen kostbaren Gobelin, „darf ich mich noch einmal kurz umsehen?“