Er saß im Vorzimmer der Personalabteilung einer der großen Firmen, die elektronische Rechenmaschinen herstellen. Er hatte den Personalchef sprechen wollen. Ob er auf Empfehlung komme? Nein, eigentlich nicht. Aber er habe neulich gehört, daß man Programmierer werden könne. Das sei ein gut bezahlter Beruf, und nun wolle er sich erkundigen, ob er nicht dazu ausgebildet werden könne.

Programmierer ist ein Mangelberuf. Mit der Schnelligkeit der Datenverarbeitungsmaschinen kommt der Bedarf an Männern und Frauen, die diesen Maschinen ihre Daseinsberechtigung geben, nicht mit. So ist man vielerorts, besonders bei den Firmen, die im Rufe stehen, führend auf diesem Gebiete zu sein, eigentlich immer um Nachwuchs verlegen. So leicht weist man niemanden ab.

Wer sich für den Computer interessiert, bringt in vielen Fällen schon eine wesentliche Voraussetzung mit. So wurde auch der junge Mann vorgelassen, und man forderte ihn auf, ein wenig über seinen bisherigen beruflichen Werdegang zu erzählen. Er zögerte etwas. Dann berichtete er, er sei im Augenblick Geschäftsführer. Nun, eine kaufmännische Grundausbildung ist schon eine Grundlage. Wo er denn das Geschäft geführt habe und in welcher Branche? Wieder zögerte der Bewerber. Dann aber ließ es sich wohl doch nicht verheimlichen: Er sei Geschäftsführer einer Eisdiele.

Der weiße Kittel lockt. Er ist. noch immer, auch in einer Zeit, da man nach Feierabend den Hochofenarbeiter nicht immer von einem Rechtsanwalt unterscheiden kann, ein Statussymbol. Er dokumentiert geistige Arbeit, ein Darüberstehen, die leitende Position. Und dieser weiße Kittel hatte wohl unseren Geschäftsführer dazu bewogen, sich dem modernsten aller Berufe zu verschreiben. Er ahnte so wenig wie die meisten Leute, was ein Programmierer ist.

Vor ein paar Jahren traf ich bei einem Kongreß den Vater der Kybernetik, den Wegbereiter der elektronischen Datenverarbeitung, Norbert Wiener. Er zeichnete, fast ohne sich dessen bewußt zu sein, ein gespenstisches Zukunftsbild. Er schilderte eine Maschine, die er den „Schwarzen Kasten“ nannte, die man auf den Meeresgrund versenken könne und die dort Maschinen erfinde und konstruiere, die besser, vollkommener und vor allem schneller seien als er selber. Er malte eine Welt der Roboter, die immer neue, bessere Roboter zeugen.

Es ist gut, daß die tägliche Praxis den großen Mann ad absurdum führt. Die modernen Datenverarbeitungsmaschinen sind heute immer noch „Hardware“, tote Gebilde aus Metall, Drähten und kleinsten elektrischen Elementen, weit entfernt davon, Amok zu laufen. Sie stehen da und warten, daß man ihnen ihre Aufgabe gibt. Und

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