Roland Gerhardson: Christen und Kommunisten. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln; 112 Seiten, brosch. 6,50 DM.

Unter der Überschrift „Der Papst ist ein guter Sozialist“ kommentierte die Wiener Zeitschrift „Neues Forum“ die jüngste Enzyklika Pauls VI. Italienische, französische und österreichische Kommunisten erklären öffentlich, daß Religion nicht „Opium“ sein müsse,

Wer sich über diesen Umschwung in den christlich-marxistischen Beziehungen informieren will, wird allerdings von dem vorliegenden Bändchen enttäuscht werden. Der Titel ist auf geradezu dolose Weise irreführend und wird auch durch keinen Untertitel korrigiert. Roland Gerhardson behandelt nämlich weder den beginnenden Dialog zwischen Christen und Kommunisten noch die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in den Ländern des Ostblocks, sondern einzig die Tätigkeit der „Christlichen Friedenskonferenz“, einer in Prag residierenden ökumenischen Organisation.

In knappen Kapiteln werden Struktur, Politik, Finanzierung, Mitglieder und „Stützpunkte“ der CFK beleuchtet. Eingehender wird die „Friedenstheologie“ des protestantischen Theologen Josef Hromádka behandelt, der zu den Gründern und Führern der Organisation gehört. Der Autor deutet Hromádkas theologische Lehren als eine Kombination von tschechischem Patriotismus (mit hussitischen Reminiszenzen), prokommunistischer Entscheidung und Anleihen bei Karl Barth, seine ökumenische Bewegung als nur schlecht getarntes Sprachrohr der osteuropäischen Kommunisten.

Inmitten der Euphorie des fast nur im Westen geführten christlich-marxistischen Gesprächs an die realen Verhältnisse in den marxistisch regierten Ländern zu erinnern, mag der nicht zu unterschätzende Nutzen dieser sich nüchtern auf Information beschränkenden Schrift sein. G.-K. K.