Die amerikanische Industrie hat nicht die Absicht, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Die Unternehmen bemühen sich, den technischen Vorsprung, den sie vor ihren Konkurrenten in Europa errungen haben, weiter auszubauen. Im vergangenen Jahr gab die US-Industrie insgesamt 15,5 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus. In diesem Jahr wird nach Schätzung des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Business Week der Forschungsaufwand nochmals um 1,1 Milliarden Dollar steigen. 1970 werden die Investitionen in den Fortschritt sogar die Grenze von 20 Milliarden Dollar übersteigen.

Über die Hälfte dieser Beträge werden von der Luft- und Raumfahrtindustrie (1967 etwa 6,2 Milliarden Dollar) und der Elektrotechnik (3,5 Milliarden) ausgegeben. Ohne Staatshilfe könnten aber selbst die kapitalstarken amerikanischen Konzerne diese gewaltigen Summen nicht aufbringen. Im vergangenen Jahr wurden 90 Prozent des Forschungsaufwands der Luft- und Raumfahrtindustrie von der amerikanischen Regierung finanziert. Bei der Elektroindustrie kamen immerhin noch 60 Prozent aus der Staatskasse.

Trotz aller gegenteiligen Behauptungen amerikanischer Konzerne ist die Forschungstätigkeit ihrer ausländischen Tochtergesellschaften insgesamt recht unbedeutend. Nur 401 Millionen Dollar (von 15,4 Milliarden) standen den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der abhängigen Unternehmen in Europa, Asien und Südamerika zur Verfügung.

Die Manager der amerikanischen Industrie schätzen, daß 1970 durchschnittlich 17 Prozent des Umsatzes auf Produkte entfallen, die gegenwärtig noch nicht existieren. Besonders hoch ist mit fast 50 Prozent der Anteil der Neuentwicklungen bei der Luft- und Raumfahrtindustrie, am niedrigsten bei Gummi und Mineralöl mit je 7 Prozent. Die chemische Industrie wird 1970 ein Fünftel ihres Umsatzes mit Produkten bestreiten, die heute nur die Wissenschaftler in den Laboratorien kennen; bei der Elektrotechnik wird der Anteil der Zukunftsprodukte 26 Prozent, beim Maschinenbau 25 Prozent betragen. mj