Politik

Eine Pressekarte für den Krieg

Der Krieg in Vietnam ist wie ein byzantinisches Mosaik. Betrachtet man es aus der Distanz, so fügen sich die einzelnen Sternchen zu klaren Bildern; die Konturen wirken schart, die Leitartikeln mitt da wenig.

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DIE ZEIT

Profil ohne Gesicht

Was ist nur mit dieser Partei los? In Hamburg prophezeite der CDU-Minister Stoltenberg bei der Eröffnung der electric 2000: „Bereits 1970 werden 40 Prozent unseres Stroms aus Kernkraftwerken stammen.

Nasser spielt hoch

Auf diese Weise hat Nasser wieder einmal, mitsamt seinen syrischen Bundesgenossen, Israel den "Heiligen Krieg", den "letzten Kampf" angesagt.

Erscheinen eingestellt

Der Zeitschriftentod geht um. Gleich drei Publikationen fielen ihm in Wochenfrist zum Opfer. In München verschied der ehrwürdige Simplicissimus nach langem Leiden.

Kein Kampf um Rom?

Charles de Gaulle ist ein überaus begabter politischer Schauspieler. Und Bonn, daran gewöhnt, nach Stadttheater-Kategorien zu messen, zollt ihm einen fast ehrfürchtigen Beifall.

Späte Korrektur

Herostratos wurde grausam zu Tode gequält, weil er – im Jahre 356 vor Christus – den Tempel der Artemis angesteckt hatte. Die Strafe war so außergewöhnlich wie die Tat.

ZEITSPIEGEL

„Als mich vor zehn Jahren Herr von Hassel bat, meine Vorstellungen in die Tat umzusetzen und deshalb das Ministerium zu übernehmen, da hatte er mich genau an der Stelle gegriffen, an der ich reizbar bin.

Der Europäer, der schweigen muß

Ein in Brüssel kursierendes Gerücht sagt, de Gaulle hätte es abgelehnt, zum Monatsende beim Gipfeltreffen der Sechs in Rom zu erscheinen, falls er dort eine Rede Hallsteins anhören müßte.

Der Kanzler mußte Kröten schlucken

Über die Dächer hinweg dröhnte die Hubschrauber-Kavalkade. Hälse redeten sich, Arme streckten sich. "Da kommt er." Ein paar tausend Braunschweiger hatten in der freundlichen Frühsommersonne gewartet, um des neuen Heros der deutschen Politik ansichtig zu werden.

Nächste Woche

Impressionen, zweiter Teil: Das Dilemma der Soldaten – Befriedung II – Frontbesuch an der entmilitarisierten Zone – Ein Pfarrer und 80 Vertriebene – Schwierigkeiten des Helfen: Die Malteser und die „Helgoland“ – Frieden mitten im Krieg.

Welches Konzept für die Sicherheit?

Die deutschen Sorgen, wenn nicht gar Zweifel, ob sich das amerikanische Engagement in Europa spürbar verringern könnte, werden in Washington in voller Klarheit gesehen.

Welche Antwort an Ulbricht?

Drei Briefe mit Ostberliner Absendern liegen in Bonn auf dem Stapel der unerledigten Post. Eine Arbeitsgruppe kaut an Bleistiften.

Nigerianische Zwietracht

Nigerias Militärregierung macht derzeit verzweifelte Anstrengungen, um den totalen Zerfall des bevölkerungsreichsten Staates auf dem Zerfall des Kontinent zu verhindern.

Wilsons Devise: Durchhalten

Die Abgeordneten des britischen Unterhauses sind noch bis zur nächsten Woche in den Ferien. Ihre Abwesenheit hat es Premierminister Wilson und seinem vielkritisierten Außenminister George Brown bisher erspart, de Gaulles verschleierte Zurückweisung des britischen EWG-Antrags offiziell zu kommentieren.

Wolf gang Ebert:: Der Hongkong-Cup

Auf dem Jahres-Bankett des „Club der China-Experten“ im Mandarin-Hotel, Hongkong, wurden die neuen Preisträger des Wettbewerbes um den „Hongkong-Cup“ bekanntgegeben.

Kadar läßt die Tür offen

Die Tinte unter dem Text des Freundschafts- und Beistandvertrages war kaum trocken, da gab Walter Ulbricht seinen ungarischen Gastgebern schon Nachhilfeunterricht in politischem "Deutsch".

Tito – Meister der Anpassung

Einen Politiker kann man am ehesten mit einem Baumeister vergleichen, der nach einem Entwurf, einer Skizze oder einem fertigen Plan, der nicht einmal von ihm selbst stammen muß, ein Gebäude zu errichten versucht.

Maos Theaterdonner in Hongkong

In Hongkong dauerten die maoistischen Demonstrationen an. „Hängt Trench!“ – die Forderung galt dem Generalgouverneur der Kronkolonie.

Parteitag mit Hindernissen

Auf dem ersten Parteitag der CDU seit dem Sturz Ludwig Erhards beschäftigte sich die Partei vor allem mit Organisationsfragen.

Rumoren in Hellas

Sind Meldungen wahr, die von einem wachsenden Widerstand gegen das griechische Militärregime sprechen? Angeblich werben Anhänger des früheren Ministerpräsidenten, Georgios Papandreou, Teilnehmer für eine Demonstration des passiven Protests: Am 28.

Namen der Woche

Janos Radvanyi, ungarischer Geschäftsträger in den USA seit 1962, hat in Washington um politisches Asyl gebeten. Radvanyi ist der erste Amtschef der diplomatischen Mission eines kommunistischen Landes, der sich dazu entschloß, im Westen zu bleiben.

UN-Rat für Südwestafrika

Nach 74 fruchtlosen Resolutionen in 21 Jahren wollen die Vereinten Nationen einen neuen Südwestafrika-Vorstoß: Ein UN-Rat soll an Stelle der bisherigen Mandatsmacht Südafrika die Verwaltung der ehemaligen deutschen Kolonie übernehmen.

Gaskrieg im Jemen

Das ägyptische Oberkommando hat im Jemen zum zweitenmal in diesem Jahr Giftgas eingesetzt. Die Royalisten meldeten Mitte Mai, ägyptische Flugzeuge hätten die Talstellung Wadi Hirran und die Ortschaft Beit Marran mit Gasbomben belegt.

Roter Gipfel in Südamerika?

Fidel Castros Umtriebe beunruhigen Lateinamerika. Eine venezolanisch-kubanische Guerilla-Gruppe versuchte jüngst, unter kubanischer Führung an der Küste Venezuelas zu landen.

Von ZEIT zu ZEIT

Auf dem CDU-Parteitag in Braunschweig wurde Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger zum Vorsitzenden gewählt. Als erster Bundeskanzler besuchte Kiesinger die Demarkationslinie im Zonengrenzkreis Helmstedt.

Ein deutscher Dialog

Was ist los mit der Bonner Deutschlandpolitik? Hat die FDP recht, wenn sie der Großen Koalition „Konzeptlosigkeit“ vorwirft? Ein Verdacht jedenfalls läßt sich nicht von der Hand weisen: Die Bundesregierung besitzt zwar ein neues Konzept für die innerdeutsche Außenpolitik, aber sie hat es in sechs Monaten noch nicht geschafft, zur neuen Strategie die taktischen Richtlinien auszuarbeiten oder für alle vorhersehbaren Eventualitäten Modellpläne zu entwerfen.

Über die Schmerzen der Armen

Sie fällten eine Entscheidung, die einem elfjährigen Sohn eines Landarbeiters „einen angemessenen Ausgleich für den Verlust der Sehkraft eines Auges“ gewährt.

„Luise” im Kampf für Kohle und Kumpel

Muß ich jetzt ‚Küß die Hand, gnä’ Frau‘ zu Ihnen sagen?“ Ein 90jähriger Pfarrer, ein Freund von alters her, rief, mit dieser Protokollfrage auf dem Herzen, am Morgen bei dem Oberhausener Oberbürgermeister Luise Albertz an, nachdem er in der Zeitung ein von den Revierblättern veröffentlichtes Photo gesehen hatte, das den „Concordia“-Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Exekution eines Handkusses zeigt: chevalereske Huldigung eines kapitalistischen „Schlotbarons“ an eine sozialistische „Stadtmutter“.

Der gute Mensch von Berlin: Günthers großer Bluff

Der Prozeß bewegt, wie kaum einer, die Gemüter der Berliner. In den Cafés, Kantinen, Büros ist er Gesprächsstoff, die Lokalchefs der Zeitungen greifen in die Schreibmaschine und versuchen den Fall zu bewältigen.

Lügenzuschlag

Der Prozeß gegen den falschen Chefarzt Günther bestätigt einmal, mit welcher Sorglosigkeit die Behörden Zweifel an der beruflichen Qualifikation dieses Mannes auf die lange Bank geschoben haben.

Jerseys Nachtrauer

Der „Recenia-Kurier“ ist eine vier Seiten starke Public-Relations-Beilage, die in monatlich 130 000 Exemplaren Textil-Fachblättern beigefügt wird.

Vom Küchentisch aus regiert

Alfons Begon redete mit „den Herren in Mainz, denen vom Innenministerium und ihrem Chef August Wolters“ Fraktur. Denn Alfons Begon war gehalten, als Bürgermeister des Dorfes Badenborn/Eifel von seinen Bürgern großes Unheil abzuwenden.

Mach nur einen Vers

Gefreiter Neumann und die Lahn-Wirtin finden keine Gnade vor den Geschmacksrichtern

Fernsehen:: Spiele am Abend

Wer zwischen 1936 und 1964, der Olympiade von Berlin und der Olympiade von Tokio, wenig Gelegenheit hatte, ins Kino zu gehen, durfte in der Pfingstwoche im Schaukelstuhl nachholen, was ihm einst auf dem Sperrsitz des Filmtheaters entging: Curt Goetz sang Napoleon-Liedchen, Gert Fröbe gefiel noch einmal als sehschwacher Mörder, Guinness mimte den Sohn einer Waschfrau, Kim Novak, ins Charakterfach purzelnd, liebte den alternden March, Erhardt, Kulenkampff und Giller spielten Three Men in a Boat.

Demontage eines Helden

Der „Herzog Ernst“ von Peter Hacks in Mannheim uraufgeführt / Von Hellmuth Karasek

Rubinsteins Erinnerungen

Wenn man’s genau nimmt, hat er seinen Eid, in Deutschland nicht mehr öffentlich aufzutreten, gehalten. Aber er entdeckte manche offene Hintertür, und die Ereignisse der letzten Jahre zeigten, daß er das Versprechen, wenn es möglich wäre, doch ganz gern wieder zurücknähme.

Schulkompromiß

Im Nordrhein-Westfalen ist jetzt ein Kompromiß im Schulstreit in Sicht. Glücklich sind über die Lösung, die gefunden wurde, nur wenige, viele aber sind erleichtert: die Landesregierung, die mehr erhofft hat, aber nun wenigstens ihren ersten politischen Erfolg aufweisen kann, die Vertreter der katholischen Kirche, die in diesem Streit erleben mußten, daß viele ihrer Gläubigen, auch Priester, den Mahnungen der Bischöfe nicht mehr zu folgen vermochten, und schließlich die Elsern, die schon lange genug auf bessere Schulen für ihre Kinder warten.

ZEITMOSAIK

Die diesjährige internationale Kunst-Biennale in der Republik San Marino, die vom 10. Juli bis zum 30. September stattfindet, steht unter dem Thema „Neue Techniken des Bildens“.

Mißgeburt in Frankfurt

Bei der Ankündigung konnte man noch an einen unzeitigen Aprilscherz glauben: Erstling eines Bühnenautors, der Ende heißt. Und dafür als Stücktitel „Die Spielverderber“ – auch das ist unheilschwanger.

FILMTIPS

„Blow Up“, von Michelangelo Antonioni, ist die Geschichte einer Faszination, einer sehr spezifischen Faszination. Ihr Objekt sind Photographien, der ihr erliegt, ist ein Photograph.

Kunstkalender

Rund 50 Reliefbilder sind, bis zum 11. Juni, in Köln zu sehen, dazu Zeichnungen, die das Thema der Bilder vorbereiten, und ein paar Ölbilder und Collagen aus den Jahren 1943 bis 1953.

Plakate für den lieben Gott

In der Berliner Galerie im Europa-Center findet augenblicklich eine Plakatausstellung statt, die in mehr als einer Hinsicht aus dem Rahmen fällt – falls man das bei Plakaten so sagen kann.

Wer wenig zu sagen hat...

Versprechend klingen die – freilich recht hoch gestimmten – ersten Sätze dieses Romans: „Alle Bilder waren ins Feuer gewandert.

ZU EMPFEHLEN

ES GEFÄLLT, daß sich der Suhrkamp Verlag entschlossen hat, seinen beiden anderen Ausgaben diese Dünndruckausgabe an die Seite zu stellen: Sie ist dreißig Mark billiger als die siebenbändige (und hat den für manchen Besitzer überfüllter Bücherregale unschätzbaren Vorzug, sehr viel weniger Platz zu beanspruchen) und wohl achtzig Mark teurer als die dreizehnbändige kartonierte – aber das Werk ist haltbar, und wer das gemerkt hat, wird es sich auch in einer haltbaren Ausgabe wünschen.

Kronzeuge des Manierismus

über den Florentiner Maler, der in traditioneller Sicht, von Vasari bis zu Wölfflin und über Wölfflin hinaus, den Verfall der Renaissance einleitete, ihren Abstieg in die Niederungen des Manierismus, sei eine Entdeckung des zwanzigsten Jahrhunderts.

Retrospektive auf Weimar

Leopold Schwarzschild: „Die letzten Jahre vor Hitler“ – Aus dem „Tagebuch“ 1929–1933, herausgegeben von Valerie Schwarzschild, mit einem Vorwort von Golo Mann, Anmerkungen von Jens Plass; Christian Wegner Verlag, Hamburg; 296 S.

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