• "Zoltan Kemeny" (Köln, Wallraf-Richartz-Museum): Knapp zehn Jahre liegen zwischen der ersten deutschen Ausstellung (in Berlin bei Springer) und dieser Retrospektive, die vier Museen, das Musée National d’Art Moderne in Paris, das Palais des Beaux Arts in Brüssel, die Tate Gallery in London und das Wallraf-Richartz-Museum, die letzte und einzige deutsche Station, gemeinsam veranstalten. Kemeny ist 1907 in einem ungarischen Dorf geboren, er hat in Budapest Architektur und Malerei studiert, war Modezeichner in Paris und Redakteur in Zürich, nebenbei hat er gemalt. Erst 1954 fing er an, in Metall zu arbeiten, seine "Reliefbilder", auf der Grenze zwischen Malerei, und Plastik, brachten ihm schließlich den internationalen Erfolg: 1964 erhielt er den Großen Bildhauerpreis auf der Biennale. 1965 ist er in Zürich gestorben.

Rund 50 Reliefbilder sind, bis zum 11. Juni, in Köln zu sehen, dazu Zeichnungen, die das Thema der Bilder vorbereiten, und ein paar Ölbilder und Collagen aus den Jahren 1943 bis 1953. Die stilistische Unsicherheit der frühen Arbeiten, ein bißchen Dada, Dubuffet, Surrealismus, verliert sich, sobald sich Kemeny für das Metall entschieden hat. Er verwendet vorfabrizierte Teile, Vierkantstücke, Nägel, Stifte, Hülsen, Lamellen, Messingdraht, Scheiben. Die Teile werden in lockerer oder dichter Streuung auf der Grundfläche montiert, bilden Zellen, Waben, Kreise, spiegelnde und stumpfe Flächen. Man kann an geologische, mineralogische, mikrobiologische Strukturen denken ("Meine Versuche schließen ein Feld der Wissenschaft ein"), aber solche Assoziationen erscheinen sogleich fragwürdig. Die Addition von verschlungenen Rollen rötlichen Kupferdrahts ist "Gedanke, in Form gebracht". Die rundförmig angeordneten Messingteile, die in konzentrischen aufgebrochenen Kreisen die Fläche überziehen, sind als "Unfreiwillige Geschwindigkeiten" zu verstehen. Ein "Zeitbegriff" wird in Eisen formuliert. Der Vorgang ist einigermaßen paradox und in dem riesigen, modisch ausgeweiteten Bereich der Metallplastik ohne Vergleich. Kemeny will den spröden unbildsamen Werkstoff, das genormte Industrieprodukt seinen geistigen und poetischen Intentionen gefügig machen. Nicht nur gewisse Titel wie "Die Stickereien einer Herkuline" könnten von Klee erfunden sein. Wenn Klee keine Farben gehabt hätte, wenn er auf Metall angewiesen wäre, hätte er vielleicht ähnliche Reliefbilder produziert. Was auf diesem Gebiet nach Form und Idee möglich ist, hat Kemeny durchgespielt, zuweilen bis knapp an die Grenze kunstgewerblicher Bastelei.

"Buch- und Kunstauktion" (Hamburg, Dr. Ernst Hauswedell): Der mit Abstand interessanteste Komplex der Frühjahrsauktionen, die vom 2. bis 5. Juni 1967 im neuen Haus am Pöselsdorfer Weg stattfinden, ist eine Sammlung von 60 Handzeichnungen und 200 Graphikblättern von Käthe Kollwitz. Schon bei der letzten Versteigerung hatte das Interesse für die Kollwitz zu sensationellen Preissteigerungen geführt. Ob der bevorstehende 100. Geburtstag oder die Neubewertung einer engagierten Kunst diesen Umschwung bewirkt hat, ob es sich um eine konjunkturelle Erscheinung oder eine definitive Korrektur handelt, ist noch nicht abzusehen. Das Angebot enthält frühe Tusch-, Feder- und Kohlezeichnungen, viele Vorstudien für die Druckgraphik sowie die wesentlichen Teile des graphischen Oeuvres von den ersten Radierungen 1891 bis zum "Selbstbildnis" von 1934.

Weiterhin bringt die Moderne Abteilung neben der marktgängigen Graphik wichtige, seltene und auch ausgefallene Dinge wie die radierte "Sinnlichkeit" von Franz von Stuck oder ein schönes Jugendstilbild von Ludwig von Hofmann oder ein Aquarell von Felix Klee, dem Sohn des Malers. Bedeutende Objekte in der Plastik: "Der Zweifler" von Barlach, Lehmbrucks "Mädchenkopf, sich umwendend" und die Villon-Büste von Seitz, in der ersten der fünf Fassungen. Ein Beweis, wie rasch der Kunstmarkt auf Aktualitäten reagiert: Janssen, Wunderlich und Bellmer sind reichlich vertreten. In der Abteilung Moderne Buchkunst und Dichtung werden Drucke der bekannten Handpressen sowie Erstausgaben von George, Hofmannsthal und Rilke offeriert. Gottfried Sello