Die nächste Runde der „konzertierten Aktion“, die am 1. Juni stattfinden soll, steht unter keinem guten Stern. Die Gewerkschaften sind alarmiert über die Entwicklung der Masseneinkommen. Was vor einem Jahr wohl noch niemand für möglich gehalten hätte, ist als Folge des Konjunkturrückgangs und der veränderten Situation am Arbeitsmarkt in greifbare Nähe gerückt: eine Lohnpause. Berücksichtigt man den Anstieg des Preisniveaus, ergibt sich in diesem Jahr erstmals seit der Währungsreform möglicherweise ein Rückgang, sicherlich aber eine Stagnation der Realeinkommen der Arbeitnehmer.

Eine „aktive Lohnpolitik“, wie sie vom DGB gefordert wird, ist darauf jedoch kaum die richtige Antwort. Sie würde die gerade erst spürbar werdende Kostensenkung in den Betrieben stoppen und die Bereitschaft der Wirtschaft, wieder mehr zu investieren, sicherlich nicht fördern. Außerdem ist die Begeisterung der Arbeitnehmer, für höhere Löhne auf die Barrikaden zu gehen, derzeit äußerst gering. Die Sorge um den Arbeitsplatz hat Vorrang.

Deshalb sollten die Teilnehmer der nächsten „konzertierten Aktion“ die Frage prüfen, ob es nicht andere Wege als Lohnerhöhungen gibt, die Massenkaufkraft zu stärken. Beispielsweise könnte die im nächsten Jahr fällige Rentenerhöhung oder Zahlungen des Lastenausgleichsfonds vorgezogen werden. kop.