In Hongkong dauerten die maoistischen Demonstrationen an. „Hängt Trench!“ – die Forderung galt dem Generalgouverneur der Kronkolonie. In Peking belagerten derweil Rote Garden die Botschaft Großbritanniens. In Schanghai verwüsteten sie das Haus eines Diplomaten, in Kanton belästigten sie einen britischen Beamten. Ministerpräsident Tschou En-lai nahm in Peking an einer Massenkundgebung gegen den „britischen Imperialismus“ teil.

Londons Proteste beantworteten die Chinesen mit Gegenprotesten. Radio Peking warnte Großbritannien vor „allen schwerwiegenden Folgen“, falls es nicht „sofort und ehrlich“ sämtliche Forderungen der chinesischen Regierung erfülle:

  • „Annahme aller gerechten Ansprüche der chinesischen Arbeiter und Bewohner Hongkongs“;
  • Einstellung aller „faschistischen“ Maßnahmen;
  • Freilassung aller Verhafteten;
  • „Bestrafung derjenigen, die für die blutigen Grausamkeiten verantwortlich sind, Abbitte bei den Gefangenen, Ersatz aller ihrer Schäden“ und
  • Garantie gegen die Wiederholung ähnlicher Vorfälle.

London freilich will in Hongkong nicht den gleichen Fehler machen, den die Portugiesen unlängst im benachbarten Macao begingen, als sie nach maoistischen Ausschreitungen vor Peking kapitulierten.

An Sprengstoff fehlt es nicht in Hongkong. Gewiß ist die Kolonie wohlhabend, das Gemeinwesen geordnet, der Lebensstandard für asiatische Verhältnisse hoch. Aber die Chinesen (98 Prozent der Vier-Millionen-Bevölkerung) arbeiten zum Teil unter frühkapitalistischen Bedingungen. Frauen plagen sich bis zu 60 Stunden in der Woche. Ein Textilarbeiter verdient nicht mehr als 450 Mark im Monat.

Politische Mitsprache haben sie so gut wie keine. Der britische Gouverneur wird beraten von einem Vollzugsrat und einem Gesetzgebenden Rat. Die Räte werden ernannt oder gehören ihren Gremien ex officio an. Gewählt sind lediglich 10 der 26 Angehörigen des Stadtrats, dessen Kompetenzen freilich nicht weit reichen. Gewerkschaften und politische Parteien stecken noch in den Kinderschuhen.

Von 1958 bis 1964 sind die Mieten um 17 Prozent, die Nahrungsmittelpreise um 11,4, die Kosten für Kleidung um 13 Prozent gestiegen – das Durchschnittseinkommen aber wuchs nur um 3,5 Prozent. 100 000 Menschen leben auf Dschunken und Sampans, 80 000 hausen illegal auf den Dächern von Mietskasernen. Es fehlt an Schulen und Krankenhäusern.