Wenn ein reiner Ton nur extrem kurze Zeit erklingt – kürzer als eine hundertstel Sekunde –, so hören wir ihn nicht als kurzen Ton, sondern nur als Klick unbestimmbarer Tonhöhe. Die Hörzentren im Hirn brauchen eine gewisse Zeit, um ein Klangbild genau zu erfassen. Diese Erscheinung benutzte jetzt Professor P. Bommsliter an der Staatlichen Universität New York, um der Ursache mangelhafter Hörleistungen auf den Grund zu gehen. Er fand, daß Kleinkinder, die nur langsam sprechen lernen, und Erwachsene, die ein Gespräch nur schwer aus anderen störenden Geräuschen, zum Beispiel bei einer Cocktailparty, heraushören können, bei seinen Tests mehr als eine hundertstel Sekunde brauchen, um einen Ton als Ton und nicht als Klick zu erkennen. Ihr akustisches Nervensystem benötigte eine drittel, eine halbe, in einigen Fällen sogar eine volle Sekunde zur nuancierten Sinneswahrnehmung. Der amerikanische Hirnchirurg Professor Samuel Powers entdeckte Anzeichen dafür, daß unzureichende Blutzufuhr eine Ursache für die schlechte Arbeitsweise des Nervensystems ist. Er konnte bei Affen den Effekt des schlechten Erkennens von Tönen durch Drosseln des Blutkreislaufs künstlich hervorrufen. Sobald er die Arterien freigab, hörten die Tiere wieder perfekt. –scher