Liebe mag blind machen; der Computer aber öffnet den Verliebten wieder die Augen; und wer noch nicht oder nicht mehr verliebt ist, sondern nur „für alle Fälle“ die Chancen zur Zweisamkeit wägen möchte, kann ebenfalls den elektronischen Ratschlag einholen. Wer paßt am besten zu wem? Die ewig bange Frage, hier wird sie mathematisch kühl beantwortet: in der Partneraktion der (zu einem Drittel von Männern gelesenen) Frauenzeitschrift „Constanze“.

Die Sache ist ernst und vernünftig und unterscheidet sich von üblichen Lebenshilfe-Aktionen in Frauenblättern, wie eben ein Computer vom Redaktions-Tante-Schreibtisch unterschieden ist. Exakte Wissenschaft vermittelt unter Zehntausenden von Frauen und Männern eine Art diskretes Rendezvous. Namen und Adressen werden nicht mitgeteilt. Man erfährt lediglich, wie der „ideale Partner“ oder die „Traumpartnerin“ beschaffen ist. Das jedoch beschreibt der Computer bis in die Einzelheiten, angefangen bei Körpergröße und Haarfarbe und aufgehört bei diffiziler Kennzeichnung alltäglicher wie ausgefallener Lebensgewohnheiten.

Der Computer, ein IBM-Computer 360-50, ist mit einem Programm gefüttert worden, das beide Erfahrungsformeln menschlicher Kontaktaufnahme berücksichtigt: „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Dazu werden dem Computer die Daten „eingegeben“, die von den Partnersuchern und -sucherinnen selbst geliefert werden. Für Männer wie für Frauen gibt es einen Bogen mit 99 Fragen.

Auf den ersten Blick wirkt es, als seien die Fragebogen recht simpel zusammengestellt. In der Tat sind sie computergerecht; und in der Art, wie die Fragen formuliert und kompiliert sind, lassen sie auch den Laien ahnen, mit welchem Geschick die Fehlerquellen ausgeschlossen oder kompensiert werden und daß hier wissenschaftliche Akkuratesse im Spiele ist. Psychologie und Soziologie haben den Mathematikern am Computer die Handwerkszeuge geliefert.

Aus dem Fragebogen werden die Antworten auf Lochkarten übertragen (womit mittlerweile hundert Locherinnen befaßt sind). Von den Lochkarten werden die Angaben auf ein Magnetband übertragen und dann in den Computer gegeben. Und der Computer vergleicht und wählt aus. Keine Tanzstunde, kein Partybetrieb, keinerlei Straßenbekanntschaften, und würden sie gleichsam am laufenden Band gemacht, können mit der elektronischen Rechen- und Informationsmaschine konkurrieren. Kein Mensch kann sich einen derart umfangreichen Bekanntenkreis schaffen, geschweige denn ihn „sichten“, wie es mit Hilfe des Computers möglich ist. Wofür ein Dutzend Menschenleben nicht ausreichen würden – der Computer macht’s möglich in nicht einmal einer Minute: er sucht und findet den „richtigen“ Partner, die „passende“ Partnerin, beschreibt ihn oder sie als Ideal und nimmt auch die nötigen Abstriche von diesem Ideal vor.

Computer-Sekunden sind sehr teuer. Der ganze Spaß, in dem genug Ernst steckt, kostet dennoch nicht mehr als sechs Mark (plus fünfzig Pfennig Porto). Diskretion ist gesichert wie bei einem Arztgeheimnis. Der Computer selbst schreibt den drei Seiten langen Brief an den Partner-Sucher; der Brief ist aus 200 festen und 1770 austauschbaren (und zudem zum Teil sinnverkehrt austauschbaren) Teilen programmiert. Er bleibt keine Antwort schuldig. rst.