Was ist nur mit dieser Partei los? In Hamburg prophezeite der CDU-Minister Stoltenberg bei der Eröffnung der electric 2000: „Bereits 1970 werden 40 Prozent unseres Stroms aus Kernkraftwerken stammen.“ Zur gleichen Stunde, in der Stoltenberg den Aufstieg des Atoms verkündet, versuchen in Düsseldorf die CDU-Politiker Grundmann und Lenz, den Fortschritt zu blockieren. Die rheinische CDU möchte verhindern, daß der Kanzler den Plänen seines Wirtschaftsministers zur Sanierung der Ruhr zustimmt.

Natürlich wissen inzwischen alle, daß der Bergbau um eine drastische Verminderung der Kohleförderung nicht herumkommt. Professor Schiller hat denn auch folgerichtig einen Plan für das „Gesundschrumpfen“ der Kohle vorgelegt (siehe Seite 32 „Die Kohle unter Kuratel“). Über Einzelheiten dieses Planes, der nicht in allen Punkten überzeugt, ließe sich gewiß diskutieren – die rheinische CDU aber sucht gar keine vertretbaren Lösungen, ihre Alternative heißt schlicht: noch mehr Subventionen, noch höhere Ölsteuern, noch mehr Dirigismus. Während angesichts der Massendemonstrationen an der Ruhr ein sozialdemokratischer Minister Mut vor den Wählern seiner Partei beweist, will die CDU – die auf die Stimme der Kumpel kaum zählen kann – offenbar dem Druck der Straße weichen. Es erscheint paradox, ist aber eine Tatsache: Die Hoffnungen aller Vernünftigen richten sich darauf, daß es dem Sozialdemokraten Schiller gelingen wird, eine liberale Energiepolitik gegen eine für Dirigismus streitende CDU durchzusetzen.

Die CDU, so klagen Erhard, Schmücker und andere, verliere ihr wirtschaftspolitisches Profil, dem sie so viele Wahlerfolge zu verdanken habe. Wen wundert’s, wenn die Partei weder in der Energie- noch in der Wettbewerbspolitik, weder in der sogenannten Mittelstands- noch in der Sozialpolitik klare Thesen zu formulieren vermag – wenn niemand mehr erkennt, ob sie eine moderne Marktwirtschaft vertritt oder sich einfach als Dachverband miteinander verfeindeter Interessengruppen begreift? Wie will man Profil zeigen können, wenn man kein Gesicht mehr hat? dst.