Wenn man’s genau nimmt, hat er seinen Eid, in Deutschland nicht mehr öffentlich aufzutreten, gehalten. Aber er entdeckte manche offene Hintertür, und die Ereignisse der letzten Jahre zeigten, daß er das Versprechen, wenn es möglich wäre, doch ganz gern wieder zurücknähme. Er spielte in holländischen Grenzstädten und lud dazu die Deutschen ein. Er spielte unter deutschen Dirigenten in Frankreich, mit einem deutschen Orchester in der Schweiz, er kauft von den Deutschen seine Instrumente, dabei spielt er ihnen vor, er ist der illustre Gast beim Diner der – nicht erst seit heute – Großen aus Deutschlands Industrie und Handel, dabei spielt er ihnen vor. Nur einem gegenüber wird er eisern sein: Herbert von Karajan will er nie die Hand geben können. Der Grund: „Er ist ein Nazi!“ Er erinnere sich, sagte Artur Rubinstein bei einer Pressekonferenz in Venedig, wie Karajan NSDAP-Mitglied geworden sei, das Parteiabzeichen trug und viele Vorteile erringen konnte. Wie gut, wie gut für manchen, auch für Rubinstein, daß der Maestro sich doch nicht noch öfter erinnert.

H. J. H.