Im Nordrhein-Westfalen ist jetzt ein Kompromiß im Schulstreit in Sicht. Glücklich sind über die Lösung, die gefunden wurde, nur wenige, viele aber sind erleichtert: die Landesregierung, die mehr erhofft hat, aber nun wenigstens ihren ersten politischen Erfolg aufweisen kann, die Vertreter der katholischen Kirche, die in diesem Streit erleben mußten, daß viele ihrer Gläubigen, auch Priester, den Mahnungen der Bischöfe nicht mehr zu folgen vermochten, und schließlich die Elsern, die schon lange genug auf bessere Schulen für ihre Kinder warten.

Es ist gewiß keine Radikalkur, die der Kultusminister dem Schulwesen verordnet hat. Das Ergebnis der Verhandlungen bleibt weit hinter dem zurück, was jüngst in Baden-Württemberg erreicht wurde (dort sind die staatlichen Konfessicnsschulen aufgehoben); selbst das überwiegend katholische Rheinland-Pfalz ist weiter auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule; immerhin, ein Fortschritt ist erzielt.

Nordrhein-Westfalen (81,3 Prozent der Volksschüler besuchten dort die Konfessionsschulen) wir bisher neben dem Saarland (99,4 Prozent), Bayern (89,2 Prozent) und Rheinland-Pfalz (65,6 Prozent) eines der vier Bundesländer, in denen die große Mehrheit der Volksschüler in Konfessionsschulen unterrichtet wurde. Wenn die Vorschläge zur Schulreform in Nordrhein-Westfalen Gesetzeskraft erlangen, wird sich an Rhein und Ruhr – wie auch in Rheinland-Pfalz – allmählich das Verhältnis zugunsten der Gemeinschaftsschule verschieben.

Im einzelnen ist vorgesehen, daß die Grundschulen (die Klassen 1 bis 4) wie bisher Bekenntnis-, Gemeinschafts- oder Weltanschauungsschule bleiben, in der Praxis also meist Bekenntnisschulen. Neu ist, daß diese Schulen „nach Bildungsziel, Organisation und Ausstattung die Voraussetzung eines geordneten Schulbetriebs erfüllen“ missen. In der Regel sollen diese Grundschulen mindestens vier Klassen haben, in dünnbesiedelten Gebieten sind zweiklassige Schulen möglich (die Klassen 1 und 2 sowie die Klassen 3 und 4 werden zusammengefaßt). Einklassige Schulen (vier Jahrgänge in einer Klasse) soll es nicht mehr geben.

Für die Hauptschulen (Schüler von Klasse 5 ab) ist vorgesehen, daß sie „von Amts wegen als Gemeinschaftsschule zu errichten sind“. Hauptschuld können nur auf Antrag der Eltern als Bekenntnisschulen eingerichtet werden und auch nur unter gewissen Bedingungen. Ein geordneter Schulbetrieb muß gesichert sein (Hauptschulen sollen in der Regel zwei Parallelklassen pro Jahrgang haben), und der Schulweg soll nicht unzumutbar weit sein.

Die schon bestehenden 200 konfessionellen Mittelpunktschulen des Landes können in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden, „wenn Erziehungsberechtigte, die ein Drittel der Schüler vertreten, diese beantragen“.

Der wesentliche Unterschied zur bisherigen Regelung besteht darin, daß die Hauptschulen nun in der Regel Gemeinschaftsschulen sind und daß es sehr schwer fällt, sie in Bekenntnisschulen umzuwandeln. Bisher war es genau umgekehrt.