Herostratos wurde grausam zu Tode gequält, weil er – im Jahre 356 vor Christus – den Tempel der Artemis angesteckt hatte. Die Strafe war so außergewöhnlich wie die Tat. Ihm war, so sagen die Historiker, Ruhmsucht zum Verhängnis geworden.

Marinus van der Lübbe wurde aufs Schafott geschleppt, weil er – im Februar 1933 – den Reichstag des deutschen Volkes angezündet hatte. Die Strafe war so außergewöhnlich wie die Tat. Ihm war, so sagen die Psychiater, sein Ehrgeiz zum Verhängnis geworden.

Die Nazis betrachteten ihn als Werkzeug der Kommunisten; vielen Hitler-Gegnern galt er jahrelang als unwissender Helfer eines SA-Brandkommandos. Lübbe selber gab seine Tat stets als seine eigene aus und bestritt, Helfershelfer gehabt zu haben. Er wollte ein Zeichen des Protestes setzen, weil die deutschen Arbeiter aus sich heraus nichts gegen Hitler zu unternahmen wagten:

Nun, 33 Jahre nach dem Prozeß, hat ein Gericht in Westberlin den Toten rehabilitiert: Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm wieder zuerkannt, das auf einem Sondergesetz beruhende Todesurteil in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt.

Das Gericht konnte keinen Toten erwecken; es konnte auch keine Legenden töten. Zweifel und Zweifler werden auch jetzt nicht verstummen. Notabene: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig... K.H.J.