Der Kampf um den Urlauber wird härter. Ende 1966 schlossen sich die großen Touristikunternehmen Scharnow und Touropa finanziell zusammen. Als dritter im Bunde stieß im März dieses Jahres auch Hummel dazu. Zusammen wurden sie zum größten Reiseunternehmen Europas. Jetzt suchen sie gemeinsam nach neuen Wegen für den Verkauf ihrer Reisen.

Bei der Umschau nach einem geeigneten Partner stieß der Reisekonzern auf das Verlagshaus C. Bertelsmann in Gütersloh. Das Unternehmen schickt den über drei Millionen Mitgliedern des Bertelsmann-Leserings und der Schallplattengemeinschaft regelmäßig seine Kataloge ins Haus. Ähnlich wie die Versandhäuser Neckermann und Quelle über den Versandhauskatalog möchten die Touristikunternehmen das Buch- und Schallplattenangebot mit Reisevorschlägen anreichern.

Auf diese Weise wollen die Marktstrategen der Touropa-Scharnow-Hummel-Gruppe Kunden ansprechen, die bisher noch nicht den Weg ins Reisebüro gefunden haben. Damit hoffen sie, dem stürmischen Vordringen der Versandhäuser in der Flugtouristik Einhalt zu gebieten. Neckermann, der Neuling im Reisegeschäft, hat im vergangenen Jahr zum Ärger der alten Urlaubshändler mit dem Verkauf von 130 000 Flugreisen alle Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Bei Scharnow buchten knapp 90 000 Flugpassagiere, bei Quelle 85 000 und bei Touropa 78 000.

Für die Firmengruppe Bertelsmann, der mehr als 30 Gemeinschaften (Buchverlage, Druckereien, Fernsehproduktionen, Schallplattenfirmen und eine beherrschende Beteiligung an der UFA) mit etwa 8000 Beschäftigten und einem geschätzten Jahresumsatz von 500 Millionen Mark angehören, kommt eine Verbindung mit dem Urlaubsgeschäft nicht von ungefähr. Bereits vor einigen Jahren hatte man mit der schweizerischen Reisegesellschaft Hotelplan einen ähnlichen Versuch gestartet, jedoch bald wieder aufgegeben.

Auch die Handelsorganisation Edeka hatte ebenso wie die Einkaufszentrale der Konsumgenossenschaft ihren Namen dafür hergegeben, gegen Provision durch die Verteilung von Prospekten für Flugreisen kleinerer Reiseunternehmen zu werben.

Alle diese Vertriebsehen erwiesen sich bisher als schwierig oder finanziell unergiebig. Jetzt soll die beabsichtigte Zusammenarbeit des großen Reisepools Scharnow – Touropa – Hummel (Jahresumsatz 1966 rund 390 Millionen Mark und eine Million verkaufter Reisen) mit dem Bertelsmann-Konzern endlich den gewünschten Erfolg bringen. Die Voraussetzungen sind gut. Seit Jahren versucht Bertelsmann das stagnierende Buchgeschäft durch ein Dienstleistungsangebot zu erweitern.

Wie werden die Reisebüros auf die neue Konkurrenz reagieren? Schließlich entsteht ihnen durch die zweigleisige Vertriebspolitik der Touristikveranstalter eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Bisher hatten sie es abgelehnt, Reisen der Versandhäuser Neckermann und Quelle zu verkaufen. Ob sie bei dieser Frontstellung bleiben, ist fraglich. WW