Seifenblasen sind schöne und bunte Gebilde.Greift man sie an, platzen sie. Nicht minder schöne und bunte Gebilde sind die Werbeprodukte mancher Fernlehrinstitute. In Postwurfsendungen, auf Handzetteln und in Zeitungsinseraten versprechen sie Aufstieg im Beruf, Ansehen unter den Mitmenschen und Steigerung des Einkommens. Erfolge in Relativzahlen („92 Prozent aller extern geprüften Ingenieure wurden durch das Institut XYZ vorbereitet“) steigern die Stimulans zum Mitmachen. Eloquente Vertreter potenzieren im Gespräch mit dem Interessenten die absoluten Erfolgszahlen.

Wie hoch jedoch die Zahlen wirklich sind, wußte bis jetzt die Öffentlichkeit nicht. Erst jüngst hat die Kultusministerkonferenz die Länderministerien gebeten, die in staatlichen Prüfungen erfolgreichen Fernschüler zu zählen. Die ministeriellen Zahlen sind nun geeignet, Illusionen platzen zu lassen – wie Seifenblasen.

So wurden in Hessen 1965 ganze 26 Fernschüler auf den Ingenieur (grad.) geprüft – 14 haben bestanden; 1966 waren es 44 hoffnungsfrohe Ingenieurkandidaten – nur 18 konnten ein Zeugnis nach Hause bringen. In anderen Bundesländern konnten in den gleichen Jahren gar keine Fernschüler zu Ingenieurprüfungen antreten. Wenn man davon absieht, daß 1966 in Baden-Württemberg zwei Fernschüler zu Technikern geworden sind, ist Hessen ebenfalls das einzige Land, das für diese Prüfung Zahlen aufweisen kann: 1965 sind von fünfzehn Prüflingen elf und 1966 von 96 Examenskandidaten 49 Techniker geworden (etwa drei Viertel der erfolgreichen Kandidaten kamen übrigens von einem kleinen Fernlehrinstitut des Deutschen Gewerkschaftsbundes).

Die Abiturerfolge waren 1965 in Hessen schon anders: von 62 angetretenen Kandidaten haben 58 bestanden. Selbst die Experten in den Hessischen Schulbehörden wunderten sich über diese Erfolgsquote. Es war keiner der Fernschulgiganten mit mehr als 100 000 Teilnehmern, der diese Kandidaten stellte: es war die Akademikergesellschaft, die den Fernunterricht nur als einen Teil ihrer Ausbildung einsetzt – der andere ist kontinuierlicher mündlicher Klassenunterricht. Mit 322 erfolgreichen Kandidaten (bei 25 Mißerfolgen) lieferte die Gesellschaft den Beweis, daß Fernunterricht in der Verbindung mit mündlichem Unterricht keine Seifenblase sein muß.

Für Zehntausende von Bildungswilligen haben die Illusionen der Werbung für den Fernunterricht eine bittere Konsequenz: die Zahlung der „Studiengebühren“ wird Monat für Monat bis zum Ende des Lehrgangs fällig. Die meisten Fernlehrinstitute – mit Ausnahme der Akademikergesellschaft, des Instituts Christiani, der Deutschen Angestellten Akademie der DAG und des Fernlehrinstituts im Berufsfortbildungswerk des DGB – bieten ihren Teilnehmern keine oder nur eine eingeschränkte Möglichkeit, die Studienverträge zu kündigen. Es ist an der Zeit, daß die „Seifenblasen der Bildung“ im deutschen Fernunterrichtswesen platzen, mit lautem Knall.

e. u. u.