DIE ZEIT

Noch tickt die Bombe

Vorige Woche hatte es vorübergehend den Anschein, daß die Wahrscheinlichkeit des Krieges mit jedem Tag Frieden abnehme. Diese Woche läßt sich das nicht mehr mit derselben Zuversicht sagen.

Spiegel konkret

Keine deutsche Publikation lacht so gern zu Lasten Dritter wie der Spiegel. Keine hat die hohe Kunst der Verhohnepipelung zu solcher Blüte getrieben.

Wer eigentlich führt wen in Bonn?

Einen Augenblick lang ist die politische Struktur der Großen Koalition sichtbar geworden. Bei den Besprechungen der Arbeitsgruppe, die sich mit Form und Inhalt der Antwort auf den Brief des Ostberliner Ministerpräsidenten Stoph beschäftigt, haben sich Fronten gezeigt.

Kühler Europa-Gipfel

Auf dem Kapitol, im Saal der Horazier und Curatier, blickten Jahrtausende auf jene Jubiläumsversammlung herab, die das erste EWG-Jahrzehnt feierte.

Nitch Himmelsstürmer, nicht Duckmäuser

Er hat nicht die Gabe, die Menschen zu bezaubern und zu begeistern, wie es der Kanzler vermag; er wird nicht vom politischen Ehrgeiz umgetrieben wie der Fraktionschef Rainer Barzel; und die kalte Brillanz Minister Schröders ist seine Sache nicht.

An der Kandare der Großen Koalition

Die Große Koalition, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Georg Diederichs, 1926 Mitglied der Demokratischen Partei, seit 1930 Sozialdemokrat, sei ihm schon an der Wiege gesungen worden: sein Kindermädchen hieß Rosa Schwarz.

ZEITSPIEGEL

„Die Mütter schicken heute ihre ‚Fräuleins‘ mit elenden Miniröcken zur Schule. Der arme Lehrer, der unglückselige Pfarrer muß während des ganzen Unterrichts mehr sehen als er will.

Bomben, Blut, Befriedung

Es ist schwer, über den Vietnam-Krieg zu berichten. Der Beobachter wird immer nur einer Facette des Bildes gewahr, nie des Ganzen – und es gibt hundert.

Krieg oder Staatsstreich?

Welten hat Tel Aviv einen schöneren Frühling erlebt. Die Sonne scheint aus einem fast wolkenlosen Himmel, vom Meer her weht eine kühle Brise, die Luft ist frisch und klar – ideales Ferienwetter.

„Israel mag Krieg haben“

Auf weißem Marmor war ein grüner Veloursteppich ausgebreitet. Ägyptens Führer, Gamal Abdel Nasser, thronte auf orangefarbenem Kunstleder mit goldbronziertem Nationalemblem.

Washington sucht Zeitgewinn

Die Vereinigten Staaten befinden sich in der schweren Nahostkrise dieser Tage in der umgekehrten Lage wie beim Suezkonflikt von 1956.

Päpstliche Politik

Man mag es drehen wie man will: Mit der Errichtung von vier Apostolischen Administrativen in den Oder-Neiße-Gebieten hat der Vatikan nicht nur eine kirchenrechtliche, sondern auch eine politische Konsequenz aus der veränderten Geographie Deutschlands und Polens gezogen.

Wie frei sind Minister?

Herbert L. Morrison, ein dank langjähriger Amtszeit sehr erfahrener Labour-Minister, der vor einigen Jahren gestorben ist, sagt in seinem Buch „Regierung und Parlament in England“: „Die Regierung muß wie ein Mann zusammenstehen, und die Minister dürfen einander nicht öffentlich widersprechen, sonst würden im Gebäude der Regierung Risse sichtbar werden.

Berliner Umfassungsschlacht

Politisch sauber war das gerade nicht, was auf dem Landesparteitag der Berliner SPD am vergangenen Wochenende geschah; aber es war erfolgreich.

Ein Leben lang Rebell

Das Leben der Nichtigkeit sei unerträglich, fand der 28jährige Ernst Niekisch. Fortan entsagte er dem Lehrerberuf und verschrieb sich mit Leib und Seele der Politik.

Zurück zur Kanzlerpartei

Die CDU hat in ihrer neuen Satzung die Stellung ihres ersten Mannes noch stärker gemacht, obwohl die opponierenden Gruppen gerade das verhindern wollten – die Junge Union und andere Kräfte in mehreren Landesverbänden.

Blutzoll in Vietnam

Der Krieg in Vietnam war in den letzten Tagen heftiger und blutiger denn je. Auch der 48stündige Waffenstillstand zum Geburtstag Buddhas brachte Vietnam dem Frieden nicht näher.

Namen der Woche

Hermann J. Abs, langjähriger Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank AG, erreichte die Altersgrenze und gab seinen Posten auf.

Nigeria zerbricht

Eine neue Flagge mit dem Zeichen der aufgehenden Sonne wurde im Morgengrauen des 30. Mai vor dem State House im ostnigerianischen Enugu gehißt.

Von ZEIT zu ZEIT

Die Nahost-Krise bewegt sich weiter am Rand des Krieges. Die von Moskau boykottierte Genfer Konferenz „padem in terris“ wurde mit einer Satelliten-Rede UN – Generalsekretärs U Thant eröffnet.

Englands letzter Seesieg

Allein in seinem Boot „Gipsy Motiv IV“ hat der 65 Jahre alte Engländer Sir Francis Chichester die Welt umsegelt. In Großbritannien hat diese bislang beispiellose Leistung ein ungewöhnliches Gefühl des Triumphs wachgerufen.

Orientalisches Pokerspiel zwischen Krise und Krieg

Siebzehn Tage nach Beginn der nahöstlichen Krise standen die Dinge noch immer auf Spitze und Knopf. Diplomatische Geschäftigkeit hinderte zunächst zwar einen kriegerischen Zusammenstoß, vermochte ihn aber nicht endgültig auszuschließen.

Mageres Ergebnis in Rom

Auf dem Kapitol zu Rom beging das Europa der Sechs seinen zehnten Jahrestag. In dem Saal, in dem am 25. März 1957 die Römischen Verträge unterzeichnet worden waren, eröffnete der italienische Staatspräsident Saragat am letzten Montag den Festakt.

Ein Weltmann aus Hamburg

Er war der ungekrönte König von Hamburg, sagen manche, wenn sie heute von ihm sprechen. Jedenfalls: eine ähnlich beherrschende Figur wie den charmvollen, kultivierten Weltmann Max Warburg hat es in Hamburg seit jenen dreißiger Jahren, in denen die Nazis den Geist aus Deutschland vertrieben, nicht wieder gegeben.

Exilregierung für Hellas?

Solange die beiden Papandreous, Vater Georgios und Sohn Andreas, von der Militärjunta in Athen in Haft gehalten werden, ist der 43jährige Dr.

Richter in Notwehr

Es ist schon über zwei Jahre her, daß zwei Hamburger Arbeiter einen Spanier von der Roosenbrücke über das nördliche Brückengeländer ins Wasser warfen.

Das Ende eines Skandals

Sang- und klanglos endete der Skandal um die berühmt-berüchtigte Hamburger „Glocke“, die „Beruhigungszelle“ des Untersuchungsgefängnisses.

Don Camillo vom Bodensee

Liebe Gemeinde! Es ist an der Zeit, die schmutzigen Hände’ und den ‚Teufel‘ dort zu suchen, wo in der ‚Nacht unseres menschlichen Schlafens‘ das teuflische Unkraut gesät wird, an dem unsere Kinder und Nachkommen – der Erbsünde gleich – tragen und bitter fühlen müssen.

Das Geschäft von Conrad Ahlers

Der Büroraum Nummer 122 in der ersten Etage des Presse- und Informationsamtes an der Bonner Welckerstraße wird im Hausjargon neuerdings „rotes Zimmer“ genannt.

Wirklich liberal?

Politische Resolutionen gehören in die übliche Praxis kommunistischer Staaten; in einer Demokratie sind sie unnütz und überflüssig.

Rund um St. Pauli: Der Tunnelwart

Peterssens Gesicht würde in einen Milchladen passen; man bekommt gleich Appetit auf etwas Frisches, das leicht verdaulich ist.

Zum Nachdenken

Idee und Ausführung der Buchreihe „Jahr und Jahrgang“ sind unvermindert interessant: Die Spiegelung des jeweiligen Jahres durch drei Temperamente; die drei Akzente – politisch, kulturgeschichtlich, autobiographisch –, die dabei von den – meist – Jahrgangsgenossen gesetzt werden, bringen eine immer wieder faszinierende Vielfalt von Gesichtspunkten.

Über den Rechtsradikalismus

Rechtsradikalismus. Mit Beiträgen von Iring Fetcher – Helga Grebing – Gert Schäfer – Edgar Weick – Axel Hübner – Dieter Thelen – Manfred Clemens – Eric Ertl – Franz Greß – Günter Wolfgang Dill.

Wissenschaft im Dritten Reich

Neben den Vortragsreihen über Nationalsozialismus und deutsche Universität an den Universitäten Tübingen (1965), Berlin und München (1966), neben der Schrift von Nolte über das Verhalten der Hochschullehrer im Dritten Reich sowie der umfangreichen, hier kürzlich erst angezeigten Untersuchung von Heiber über Walter Frank und sein Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands besitzt dieser anläßlich der 300-Jahr-Feier der Universität Kiel gehaltene Vortrag von Erdmann seinen eigenen Platz.

Ein Verteidiger ohne Mut

Der Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Hans Laternser hat es hierzulande zu einiger Berühmtheit gebracht. Er hat schon in Nürnberg die deutsche Generalität vertreten und gilt mittlerweile, nach vielen lautstarken Verteidigungen in NS-Prozessen, als eine Art von Fachanwalt für deutsche Vergangenheit.

Nur noch Show und Nervenkitzel

Am 5. Juni muß sich Cassius Clay, dem schon die Weltmeisterschaft im Schwergewicht der Berufsboxer aberkannt wurde, vor einem texanischen Gericht verantworten, weil sich der Anhänger der Black Muslims weigerte, den Fahneneid abzulegen.

Mittelmaß hat recht

Das Zweite Deutsche Fernsehen, seit seinem Bestehen hochgerühmt wegen der Qualität seiner Sportberichterstattung, gibt freiwillig Terrain preis: Der „Sportspiegel“, seit vier Jahren an jedem Dienstag zu sehen, soll künftig nur noch jeden zweiten Dienstag ausgestrahlt werden.

Kunst: Märchenträume aus Schrott und Eisen

Kurz zuvor, bei der großen Hans-Richter-Retrospektive, hatte man ihn auf der Leinwand der Akademie in voller überlebensgroße mit seinen Draht-Zirkustieren hantieren sehen, in „Dreams that money can buy“.

Fernsehen: Aus dem Blechnapf

Meisterlich waren die Photographien: das Graue Haus auf flachem Feld, ein Nebelschloß aus Stangen und Gittern; die Zellenlämpchen im Kampf mit dem Milchlicht des Tags.

Theater: Ein Dramatiker geht um

Kein langweiliger, eher schon ein grausamer Abend. Auf der Bühne floß unentwegt Blut. Und im Zuschauerraum wurde mächtig gebuht.

Die komischste Oper der Welt

Eine traurige Geschichte vom genialen dänischen Architekten Jörn Utzon und der am Ende zu früh erschöpften Geduld der Steuerzahler von Sydney

Der Fall Lettau

Der deutsche Schriftsteller Reinhard Lettau wäre beinahe des deutschen Landes verwiesen worden. Er habe, ließ ihn der Berliner Polizeipräsident Ende voriger Woche wissen, am 19.

Alte Klänge – neu gemischt

Was sich bei Gustave Flaubert erst als Resonanz auf seinen Roman ergab, das wollte sich bei Heinrich Sutermeisters „Oper in einem Prolog und zwei Akten (neun Bildern) frei nach Gustave Flaubert und zeitgenössischen Dokumenten“ schon vor der Kenntnisnahme des Werks einstellen: der Prozeß.

Gesamtdeutsche Spießer

In den letzten fünf Monaten sahen fünf deutsche Schriftsteller ihr erstes Bühnenstück uraufgeführt. Die Autoren sind 29 bis 38 Jahre alt.

Liedermacher unter sich

Wenn es zutrifft (wie die Festspielleitung durchblicken ließ), daß im Hause Axel Springer ein Ukas kursiert, der jegliche Berichterstattung über den gesellschaftskritisch eingefärbten Folksong oder gar den eindeutig politischen Protestsong untersagt, so können die Exponenten dieser die Gemüter verwirrenden Liedart triumphieren.

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