Politische Resolutionen gehören in die übliche Praxis kommunistischer Staaten; in einer Demokratie sind sie unnütz und überflüssig.“ Das war der Kernsatz einer Nachhilfestunde in politischem Wohlverhalten, der sich unvermutet die Bewohner des Hamburger Studentenheims „Europa-Kolleg“ ausgesetzt sahen. Anlaß für diese Belehrung des Sprechers der Kollegleitung, Dr. Hans Isenhagen, war ein Protestschreiben, das die Heiminsassen gegen den griechischen Militärputsch an das in Straßburg tagende Europäische Parlament adressieren wollten. Die Abgeordneten, so verlangten es die Hamburger Bürger, sollten von Athens neuen Machthabern die Freilassung der politischen Gefangenen, die Wiederherstellung der Verfassung, die Aufhebung des Parteienverbots und die Zulassung freier Wahlen fordern.

Die Studenten – vorwiegend höhere Semester, Graduierte und Promotionsstipendiaten des VW-Werks – hatten diesen Beschluß auf einer stürmischen Konventssitzung nicht ohne Zagen und gegen eine starke Minorität gefaßt. Sie meinten indessen im Sinne der Konzeption ihres Heimes zu handeln, das der „Erziehung zur Demokratie“ und der „Bildung im Sinne des Europagedankens“ dienen will. Die Stiftung „Europa-Kolleg“ verpflichtet laut Hausprospekt seine Bewohner zur Teilnahme an einer Art politischem Studium generale, das die Studenten zur politischen Mündigkeit erziehen soll. Als freilich die Entschließung des Konvents der Kollegleitung vorgelegt wurde, reagierte diese mit Verzögerung und hielt erst beim Akademischen Senat der Universität Rückfrage. Dieser legte sogleich sein Veto ein: Die Studenten seien nicht berechtigt, den Namen „Europa-Kolleg“ zu benutzen. Sodann teilte Sprecher Isenhagen seine Instruktionen aus: Man wolle politisch gebildete, aber keine politisierten Studenten; man erstrebe zwar ihre politische Mündigkeit, politische Aktivität jedoch sollen sie, wenn überhaupt, außer Haus entwickeln. Die Aktion selber qualifizierte Isenhagen als „eitle Unternehmung einer politischen Betriebskampfgruppe“ ab. Seine Begründung für die scharfe Zurechtweisung: „Wenn ich nach Bonn komme, dann wird mir da immer vorgeworfen, bei uns hier säßen sowieso nur DFU-Leute. Wir sind wirklich liberal.“

H. E., Hamburg