Die Schiffahrtskonferenz für den Verkehr von der Ostküste der USA nach Brasilien ist um zwei Mitglieder ärmer. Die zur Oetker-Gruppe gehörende Columbus Line und die schwedische Reederei Brodin fahren künftig als Außenseiter.

Der Schritt ist ein Protest gegen die Tendenz, den Seeschiffsverkehr immer stärker an das staatliche Gängelband zu nehmen. In diesem Fall teilen sich zwei Reedereien, die amerikanische Moore McCormack Line und die brasilianische Staatsreederei Lloyd Brasileiro, 90 Prozent aller Ladungen, die von der Ostküste nach Brasilien verschifft werden.

Lloyd Brasileiro lebt davon, daß die brasilianische Regierung ihrer Reederei möglichst den Transport aller Güter zu? schiebt, die importiert werden. Als Begründung wird Devisenmangel angegeben. In vielen Fällen haben die Brasilianer jedoch nicht genügend Schiffe und müssen dann selbst für Devisen Schiffe aus dritten Ländern chartern.

Bisher ist der Verkehr zwischen der USA-Ostküste und Brasilien von einer Schiffahrtskonferenz reglementiert worden. In diesen „Kartellen auf dem Meer“, von denen es mehrere hundert gibt, werden Transportpreise, Abfahrtsdichte und andere Bedingungen abgesprochen.

Durch das Arrangement zwischen den Amerikanern und den Brasilianern ist die Konferenz. praktisch kaum noch funktionsfähig. Das Vorbild dieser Liaison kann zudem dazu führen, daß weitere Staaten den Transport ihrer Seehandelsgüter nach ähnlichen Prinzipien regeln.

Die beiden europäischen Reedereien werden nun als „Außenseiter“ versuchen, die Preise der Konferenz zu unterbieten und, frei von allen Absprachen und Bindungen, versuchen, soviel Ladung wie möglich für ihre Schiffe zu ergattern. Sie schießen, wie es im Schiffahrtsjargon heißt, „unter Wasser“. cb