Das drittgrößte Elektrounternehmen in der Bundesrepublik – Brown, Boveri & Cie. AG, Mannheim – wird in Zukunft wieder stärker an der Konzernleine der schweizerischen Muttergesellschaft AG Brown, Boveri & Cie in Baden/Schweiz geführt werden, der rund 56 Prozent des Aktienkapitals gehören. Mit gut der Hälfte des Konzernumsatzes stellt die deutsche Tochter das stärkste Glied in der Gruppe dar. Unter der Leitung von Kurt Lotz, dem zukünftigen Chef des Volkswagenwerkes, war das Mannheimer Unternehmen zunehmend selbständiger geworden.

Nachdem die ungünstige Konjunktur auch an der deutschen BBC nicht vorbeigegangen ist, will die schweizerische Konzernspitze die Geschäftspolitik jetzt wieder stärker in eigene Regie nehmen. Als Nachfolger von Lotz wurde ein Schweizer Staatsbürger, Professor Dipl.-Ing. Eberhard Schmidt, zuletzt Direktoriumsmitglied des Nestlé-Konzerns, bestimmt. Als zweiter Schritt soll die Produktion innerhalb der Gruppe stärker konzentriert werden. Schmidt meinte, in näherer Zukunft bestünde durchaus die Möglichkeit, daß das eine oder andere Erzeugnis in dem einen oder anderen Land nicht mehr hergestellt werden würde.

Die Schwierigkeiten, mit denen die deutsche BBC heute zu kämpfen hat, liegen besonders im Kraftwerksgeschäft. Noch vor einem Jahr hatte man damit gerechnet, daß der Stromverbrauch der Bundesrepublik in den nächsten Jahren um jeweils sieben oder acht Prozent wachsen würde, wozu im Jahresdurchschnitt Kraftwerksneubauten von gut drei Millionen Kilowatt Leistung erforderlich gewesen wären. Die Stromzuwachsrate ist zur Zeit aber bedeutend niedriger, und die deutschen Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind mit Aufträgen sehr zurückhaltend geworden. 1966 lagen die Aufträge für Kraftwerke unter 2 Millionen Kilowatt Leistung, für 1967 wird nicht wesentlich mehr erwartet. eh