Kenner der Verhältnisse verrieten mir unter der Hand, der Schah sei, von unserer 40-Millionen-Kredithilfe einmal abgesehen, von seinem Besuch bei uns etwas enttäuscht. Vor allem habe er sich davon mehr Anteilnahme und Jubel in der Bevölkerung versprochen – jubelnde Polizisten sähe er auch in Persien. ;

Dies ist die Geschichte von einem, der auszog, sich nicht nur ein Bild vom Schah zu machen, das man womöglich ins Photoalbum kleben kann, sondern ihm auch seine Reverenz zu erweisen. Ich war sogar, weil anscheinend sonst nicht viele dazu bereit waren, willens, in eine erkleckliche Anzahl von Hochrufen auf das Kaiserpaar auszubrechen, obwohl ich sonst eher zu den Stillen im Lande gehöre. Leider war das leichter gesagt als getan. Vermutlich, weil man kein rechtes Vertrauen in meine Schah-Begeisterung hatte, tat man alles, um mich von ihm fernzuhalten.

Mein erster Versuch, mich dem Schah zu nähern, endete auf dem Flugplatz Köln-Wahn, wo es mir fast gelungen wäre, ihn zu begrüßen, wenn nicht unsere Polizei mich vorher im Empfangsgebäude eingeschlossen hätte. Dadurch nicht entmutigt, versuchte ich nun, in meinem Wagen Schritt mit dem Schah zu halten. Dabei landete ich leider in einer kilometerlangen Autoschlange, weil die Autobahn, die mich zu ihm leiten sollte, des persischen Kaisers wegen für deutsche Autofahrer wie mich gesperrt war. Meine Bemühungen, mich ihm auf Umleitungen zu nähern, führten mich nach Bielefeld, während der Schah zur selben Zeit bereits auf dem Wege nach Aachen war.

Da der Luftraum über dem Schah gesperrt war, weil man selbst dort oben Gegner witterte und man mir auch nicht gestattete, an seiner Vergnügungsrheinfahrt mit der „Mainz“ oder gar am Empfang auf Schloß Brühl teilzunehmen, blieb mir nichts anderes übrig, als mich ihm auf ebener Erde zu nähern. Auch dabei war ich vom Pech verfolgt.

Als ich mich zum Beispiel in München einer kleinen Gruppe schahtreuer Menschen anschloß, die gesonnen schienen, ihn hochleben zu lassen, wurden unsere guten Absichten von der Polizei verkannt und wir jämmerlich verprügelt. Anschließend wurde ich vorsichtshalber noch vorübergehend in Schutzhaft genommen. Als ich zurückkam, war mein Wagen, gleichfalls dem Schah zuliebe, abgeschleppt worden – und zwar auf meine Kosten, obwohl ich gar nicht darum gebeten hatte.

Meine letzte Hoffnung blieb Berlin. Dort gehörte ich zwar nicht zu jenen Zuschauern, die Mozarts „Zauberflöte“ in Gegenwart des Herrschers von Persien genießen durften, aber wenigstens zu den Zuschauern des Anmarsches dieser Zuschauer. Doch als ich dort endlich in meinen, dem Schah gebührenden Hoch- und Jubelruf ausbrechen wollte, schoß mir der Strahl eines Polizeiwasserwerfers in den geöffneten Mund und verschlug mir nicht nur die Sprache, sondern warf mich auch noch zu Boden.

Nach allem, was ich inzwischen über die Einsatzfreudigkeit der Berliner Polizei gehört habe, bin ich noch vergleichsweise glimpflich davongekommen.

Vom Schah habe ich auf diese Weise keine Haarspitze, geschweige denn einen Blick erhascht. Ich muß mich also auf seinen nächsten Besuch in der Bundesrepublik vertrösten, der hoffentlich nicht lange auf sich warten läßt. Vielleicht haben wir ihn dann sogar ein bißchen länger unter uns als eine Woche. Wäre das nicht schön?