Nach drei Wochen der Spannung brach am Montag Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig der Aggression. Ägypten behauptet, israelische Flugzeuge hätten die Feindseligkeiten mit Luftangriffen auf Flugplätze im Gazastreifen, am Suezkanal und in die Umgebung von Kairo eröffnet. Israel gibt an, ägyptische Panzer hätten sich im Anmarsch auf die israelische Grenze befunden, ägyptische Luftwaffenverbände seien auf den Radarschirmen im Anflug geortet worden; daraufhin seien die Kampfhandlungen eröffnet worden.

Der Irak, Algerien, der Jemen, Kuwait und der Sudan erklärten Israel auch förmlich den Krieg. Die jordanischen Truppen wurden dem ägyptischen Oberkommando unterstellt. Der Irak entsandte Truppen nach Syrien, Saudi-Arabien verlegte Heereseinheiten nach Jordanien. Mit dem Eintreffen sudanesischer, algerischer, marokkanischer und jemenitischer Verbände auf dem Kriegsschauplatz wurde Mitte der Woche gerechnet.

Israels Truppen trugen den Angriff schon am ersten Tag auf gegnerisches Gebiet. Sie eroberten den Gazastreifen, nahmen auf der Sinai-Halbinsel die Städte Abu Agela und El Arisch ein, von denen Straßen an den Suezkanal führen, und besetzten nach heftigen Straßenkämpfen auch den arabischen Teil Jerusalems. Das UN-Hauptquartier geriet dabei erst in jordanische, dann in israelische Hand. Weitere Einbrüche auf jordanisches Gebiet gelangen in der Nähe der Ortschaften Jenin und Latrun. An der syrisch-israelischen Grenze tobten schwere Kämpfe. Schon am zweiten Kriegstag hatten sich die Israelis die absolute Luftherrschaft erkämpft. Tel Aviv meldete am Dienstagabend, 374 arabische Flugzeuge seien vernichtet worden. Das arabische Oberkommando sprach zum gleichen Zeitpunkt von 182 israelischen Flugzeugverlusten.

Stolz erklärte Israels Außenminister Aban Eban: „Der Montag war der großartigste Tag in der modernen Geschichte Israels!“ Und Mosche Dayan, als „starker Mann“ erst in der letzten Woche zum Verteidigungsminister berufen, verkündete: „Wir suchen keine Eroberungen. Unser einziges Ziel ist es, die Araber daran zu hindern, unser Land zu erobern.“

Das arabische Oberkommando quittierte die israelischen Erfolge mit der Behauptung, es sei „über alle Zweifel“ bewiesen, daß Amerikaner und Briten einen „Luftschirm über Israel“ errichtet hätten, um die „israelische Aggression gegen die Araber“ zu unterstützen. Ägypten, Syrien, Algerien, der Irak und der Jemen nahmen diese Erklärung zum Anlaß, die diplomatischen Beziehungen zu den USA abzubrechen. Damaskus brach auch mit London. Washington berief seinen Botschafter aus Kairo ab. In Bagdad beschlossen neun arabische Länder, die 63 Prozent der Welterdölförderung bestreiten, ein Embargo für die Länder, die das Territorium oder die Hoheitsgewässer eines arabischen Staates angreifen. Ägypten sperrte den Suezkanal für die internationale Schiffahrt. Die Türkei, Zypern und Libyen haben den Westmächten untersagt, ihre Stützpunkte zu benutzen.

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien wiesen die arabischen Erklärungen als „böswillige Erfindung“ und als „absoluten Unsinn“ zurück.

Moskau reagierte vorsichtig. Eine TASS-Erklärung bezeichnete Israel zwar als Aggressor und sicherte den Arabern „absolute Unterstützung“ zu. Gleichzeitig aber richtete der Kreml einen Appell an die Westmächte, für eine Beilegung des Konflikts im Nahen Osten zu sorgen. Premierminister Wilson empfing am Dienstag eine Botschaft des sowjetischen Ministerpräsidenten Kossygin. Der Kreml machte sein Verhalten abhängig von dem der USA.