Von Ilorst Hachmann

Was empfindet der Urlauber, wenn er in ein Flugzeug klettert, wie sind Flugtouristen soziologisch einzuordnen, wie beurteilt der Passagier sein Sicherheitsempfinden, welche Zukunftsaussichten hat der Reiseverkehr mit dem Flugzeug? Diese und andere Fragen ließen dem Leiter des Deutschen Instituts für Luftverkehrsstatistik, Dr. Eckart Krüger, keine Ruhe. So ließ er die Konsumenten der Touristiksparte Flugverkehr kurzerhand durchleuchten. Das Ergebnis der Fleißarbeit liegt nun vor, gebunden in zwei stattlichen Bänden.

Dr. Krüger sortiert seine 1884 Interviewten nach einem Zehn-Punkte-System. Der Schlüssel errechnet sich aus Haushaltseinkommen, Schulbildung, Beruf und Besitz von Luxusgütern. Außerdem gliedert sich die Untersuchung auf die beiden großen Sparten des Flugtourismus auf, nämlich auf die Individualisten, die beim Reisebüro eine Inklusiv-Tour (IT) buchen, und auf die Touristen, die in geschlossenen Gruppen mit Charterflugzeugen ans Urlaubsziel gebracht werden.

Also: Mehr Frauen als Männer klettern in ein Flugzeug. Das Verhältnis entspricht der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik: 53 Prozent Frauen, 47 Prozent Männer. Junge Leute zwischen 21 und 30 Jahren sind die flugfreudigsten Deutschen. Mit genau 31,6 Prozent stellen sie fast ein Drittel aller Charterpassagiere. Addiert man noch die Gruppe der 30- bis 40jährigen (20,8 Prozent) hinzu, sind bereits über 50 Prozent der Flug-Gesellschaftsreisenden erfaßt. Bei den IT-Reisen stehen in der Alterspyramide die Gruppen 40 bis 50 und 50 bis 60 mit jeweils über 23 Prozent an der Spitze.

Menschen ohne Kinder fliegen häufiger. Sie stellen 35 Prozent bei den Charter- und 41 Prozent bei den IT-Anteilen. Erklärung: „Bei einem sehr großen Teil der Passagiere handelt es sich um junge Ehen, bei denen beide Partner Geld verdienen.“ Während bei den meisten Charter-Gästen das Haushalts-Nettoeinkommen unter 1500 Mark liegt, verdient die größere Gruppe der Individualtouristen mehr als 3000 Mark im Monat. Noch ein Vergleich aus dem Einkommensbild: Rund 30 Prozent der Chartergruppe verdienen nicht einmal 1000 Mark, bei den IT-Reisenden liegt diese Zahl jedoch unter 13 von Hundert.

Genau ein Drittel der Westdeutschen wohnt in Gemeinden unter 5000 Einwohnern. In der Flugfreudigkeit stehen die Dorfbewohner jedoch mit Abstand an letzter Stelle und belasten die Urlaubsflug-Statistik gerade mit fünf Prozent. Je größer die Städte werden, um so lebhafter ist auch das Verlangen ihrer Einwohner, das Urlaubsziel mit dem Flugzeug zu erreichen. So kommen 40,1 Prozent aller Chartergäste und sogar 44,5 Prozent der IT-Passagiere aus Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern. Diese Zahlen widerlegen übrigens die Ansicht, die Versandhäuser aktivierten durch ihre Katalogwerbung auf dem Lande die Nachfrage nach Flugreisen.

Betrachtet man die Flugurlauber noch aus der geographischen Perspektive, findet man Berliner als relativ häufigste Flugtouristen an allen Sonnenstränden in Europa, gefolgt von den Bürgern der Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Erst dahinter rangiert in der Prozentstatistik Hessen vor Nordrhein-Westfalen. Am wenigsten hält man offensichtlich in Bayern vom Urlaubsflug ins Ausland.