„We’re Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“; The Beatles; Electrola SHZE 401, 18,– DM

Es beginnt richtig wie auf der großen Show-Bühne: Instrumente werden gestimmt, ein Conferencier tritt auf, „So may I introduce to you“, Einzugsmusik mit Posaunenchor, ein bißchen Beat, wieder der Conférencier, „The one and only und dann das Kreischen der Fans für Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band: Die Beatles scheinen sich selbst und ihre Show auf den Arm nehmen zu wollen.

In der Realität ist gerade dieser Lärm der Fans ohrenbetäubend und umwerfend, hier ist er zu einer Andeutung abgeschwächt – und das erscheint symbolisch, denn: die jüngste Platte der Beatles ist zwar noch brandneu, aber nicht mehr brandheiß. Die Pilzköpfe ziehen sich aufs Altenteil zurück. In dem Song „Getting better“ sagen sie’s selbst: „Me used to be an angry young man... but l’m changing my scene and l’m doing the best that I can.“

Was sich früher lustig machte über alles und jedes, was die Daddies an der Nase herumführte, sie nicht zu Atem kommen, ihnen keine Zeit zur Entrüstung ließ, was sich in textlichen wie musikalischen Einfällen überschlug und vor allem dadurch alles andere mühelos an die Wand spielte und sang, ist hier einer harmlosen Kostümierung auf dem Plattencover gewichen: In den Phantasieuniformen einer Militärmusik längst vergangener Jahre, mit Moustache und Nickelbrille, präsentieren die Beatles ihre neue Welle, den matten Abglanz früherer Größe.

Es gibt: ein paar balladeske Songs, aufgeblasen durch die ehedem ironisch gemeinten, inzwischen modisch gewordenen und etwas aufgesetzt wirkenden Accessoires von Streichquartettklängen und „lyrischen“ Cello-Kantilenen, von drehorgelähnlichem Hammondorgelklang und Cembalogezirp, von Hühnergegacker, Hundegebell und einer ein Inferno vortäuschenden Krachcollage. Es gibt weiter ein fernöstlich klingendes Stück auf einer Siebenton-Leiter, einen bluesähnlichen Song und, als bestes Stück, einen von einer Jazzcombo begleiteten Foxtrott, „When l’m sixtyfour“.

Es gibt nicht mehr: den aggressiven Beat, mit dem die Beatles einstiegen, der zwischendurch für kurze Zeit sanfter wurde, den die Konkurrenz aber wieder zur Härte zwang; eine einzige von dreizehn Nummern, „Within you, without you“ zeigt noch, was die Beatles einmal waren. „It was twenty years ago today“, heißt es treffend im ersten Stück. Als Ironie wäre mir das zu schwach. Und es gibt keinen einzigen Ohrwurm mehr, den ich tagelang mit mir herumgeschleppt hätte.

Electrola präsentiert die Platte in ungewöhnlicher Aufmachung, als Klapptasche, innen lockt ein großformatiges Photo von Sergeant Pepper’s Band-Musikern, ein Papp-Quadrat liegt bei, aus dem man Sergeant Pepper und seine Korporals-Winkel, einen kleinen Schnauzbart und diverse Klubabzeichen ausschneiden kann, die Texte sind mitgeliefert, der Aufwand ist enorm. Augenscheinlich ist er notwendig, in den letzten Bestseller-Listen mußte man nämlich – von Penny Lane“ abgesehen – nach den Beatles suchen.

Heinz Josef Herbort