Das Theater wird von diesem Stück vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Die Bühne muß die Verflachung einer (manchen Zuschauern ja bekannten) Dichtung überwinden, indem sie Mitleid mit Baschmatschkin erzeugt.

In Krefeld lief die deutsche Erstaufführung schwerfällig an, wurde allmählich zwar schneller: Um eine halbe Stunde sollte sie dennoch gekürzt werden.

Joachim Fontheim, Generalintendant der Vereinigten Städtischen Bühnen von Krefeld und Mönchengladbach, und sein Oberspielleiter, der Schauspieler Rudolf Krieg, hatten gemeinsam inszeniert. Das mag zur Verdoppelung der szenischen Einfälle anstatt zur Konzentration geführt haben: Gelungen sind trotzdem choreographisch-pantomimisch konzipierte Arrangements der rahmenden Gesellschaft. Bemerkenswert war auch die Präzision einzelner Gruppen, die auf einem (von Ekkehard König entworfenen) Gestell weitläufiger, zweistöckiger Bühnenpodeste agierten.

Stück und Aufführung stehen und fallen mit der Besetzung der Hauptrolle. Krefeld konnte für den Baschmatschkin einen Schauspieler einsetzen, der an diesem Premierenabend seinen Durchbruch erlebte; so nahm man der Regie die aufgesetzten und auch manche Brülltöne innerhalb von reichlich zwei Dutzend Chargen als scheinbaren Stilkontrast ab.

Der zentrale Schauspieler heißt Rudolf Brand. Er ist noch keine dreißig Jahre alt und spielte ein uraltes, buckliges Gepenst, einen alterslosen Menschen: eine treffende figürliche Charakterisierung, die sich niemals sprachlicher Verlegenheitsmittel zu bedienen brauchte. Die Spannung zwischen Erscheinung und Diktion Brands war es, was diesen Theaterabend ausmachte; den starken Schlußapplaus hatte er verdient.

Johannes Jacobi