Der Himmel über Hamburg war so blau wie über Mallorca, wo die vierstrahlige Düsenmaschine gestartet war. 128 Urlauber kehrten heim. „Sichtanflug“, hatte der Tower in Fuhlsbüttel dem Piloten mitgeteilt. Das Pistenkreuz des Flughafens war noch fünfzehn Kilometer entfernt.

Da sah der Pilot unter sich eine Landebahn, kurvte ein und setzte auf. Während das Flugzeug ausrollte, rasten Feuerwehr- und Krankenwagen herbei. Der Pilot war auf der Werkspiste der „Hamburger Flugzeugbau GmbH“ niedergegangen. Diese Piste ist für schwere Düsenmaschinen zu leicht gebaut und zu kurz. Doch der spanische Flugkapitän durfte seine Geschicklichkeit mit Glück multiplizieren. Hundertfünfzig Meter vor der Böschung des Elbkanals stand das Flugzeug still.

Zwischen der Werkspiste auf der Insel Finkenwerder und dem Flughafen liegt unübersehbar die Elbe. Das macht es vollends rätselhaft, wieso der Pilot sich „verfranzt“ hatte. Er konnte nur erklären: er sei zum ersten Male nach Hamburg geflogen.

Er flog nicht nur Urlauber zurück. Er wollte eine Pressekonferenz geben. Die verirrte Düsenmaschine gehört der Chartergesellschaft „Spantax“; ihr Pilot ist auch der Präsident dieses Unternehmens. Mit anderen Chartergesellschaften war die „Spantax“ in einem alarmierenden Bericht des „Stern“ gerügt worden. Anlaß dazu war unter anderem der Absturz einer Maschine der Chartergesellschaft „Globe Air“ über Zypern, bei dem 126 Menschen getötet wurden. Der „stern“ zählte einigen Chartergesellschaften ein stattliches Sündenregister vor. Was für die „Spantax“ zu einem Dementi werden sollte, wurde unversehens zu einer Bestätigung der Kritik.

Am Wochenende darauf stürzten zwei Maschinen britischer Chartergesellschaften ab. Insgesamt 160 Menschen starben. Die eine Maschine streifte beim Anflug von Perpignan einen Berg. Keiner der 83 Urlauber und der fünf Besatzungsmitglieder überlebte. Zwölf Stunden darauf fiel das andere Flugzeug beim Anflug auf Manchester zwischen die Häuser von Stockport. 72 Menschen kamen ums Leben; zwölf, darunter der Flugkapitän, wurden lebend geborgen.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums in Bonn erklärte: „Wir sind der Ansicht, daß die Sicherheitsbestimmungen für deutsche Chartermaschinen streng und ausreichend sind.“ Ausländische Maschinen, auch wenn sie im deutschen Urlauberverkehr eingesetzt sind, unterliegen freilich keiner deutschen Kontrolle.