Was seit der europäischen Gipfelkonferenz in Rom klar war, wurde jetzt am Montagabend in Brüssel beschlossen: EWG Außenkommissar Jean Rey, erfolgreicher Verhandlungsführer der Gemeinschaft in der Kennedy Runde, wird vom 1. Juli an als indirester Nachfolger von EWG Präsident Haistein die Spitzenverwaltung der EWG, der Euratom und der Montanunion führen. Ihm zur Seite steht auf jeden Fall der holländische EWG Vizepräsident Sicco Mansholt, der "Vater des Gemeinsamen Agrarmarktes". Wer sonst noch Vizepräsident der Europa Behörde wird, bleibt ungewiß. Die am Montag zwischen Israel Hind den Arabern ausgebrochenen Kämpfe waren daran schuld, daß London, Dänemark und Irland nicht mehr als eine Empfangsbestätigung des Europäischen Ministerrats für ihre EWG Beitrittsanträge erhalten werden Die Außenminister Couve de MurTille und Willy Brandt hatten ihre Reise nach Brüssel abgesagt. Den Bewerbern wurde mitgeteilt, daß die Gemeinschaft über ihre Beitrittsgesuche debattieren werde.

Der 1. Juli ist — nach der AgrarMarathonsitzung vom 31. Mai — auch ein wichtiges agrarpolitisches Datum: von da an wird es den seit 1964 geplanten freien Warenverkehr und eine echte gemeinsame Agrarpolitik mit einem einheitlichen Preisniveau für Getreide, Schweinefleisch, Eier und Geflügel geben. Für Deutschlands Getreidebauern bedeutet das die Senkung ihrer Getreidepreise um rund 12 Prozent. Die damit verbundenen Einkommenseinbußen werden mit Hilfe von "Ausgleichszahlungen" aus Europas grüner Kasse, dem EWGAgrarfonds, ausgeglichen — zumindest drei Jahre lang. Dann müssen die Landwirte dem stärkeren Wettbewerb gewachsen sein. Er wird künftig nur noch gegenüber Konkurrenten aus Nicht EWG Landern unterbunden — sie müssen Einfuhrmindestpreise, Grenzabgaben und Zusatzabschöpfungen überwinden, wenn sie ihre Waren auf dem Gemeinsamen Markt absetzen wollen.