Seit die Krise im Nahen Osten begann, sind täglich Spenden bei der israelischen Botschaft in Bad Godesberg eingegangen, die von dort an die Deutsch-Israelische Gesellschaft weitergeleitet werden. Vor allem aber melden sich täglich junge Deutsche, um ihre Dienste anzubieten, auch den Dienst mit der Waffe. Ihnen wird für ihre Bereitwilligkeit gedankt, gleichzeitig aber erklärt, daß der Staat Israel im Augenblick nicht daran denke, eine Organisation für ausländische Freiwillige aufzubauen.

Unter den jungen Menschen, die dem bedrohten Staat helfen wollen, sind viele Studenten. Zwei von ihnen gaben über ihre Motive Auskunft, freilich nur zögernd, weil sie nicht in den Verdacht kommen wollten, sich mit deklamatorischen Pathos interessant zu machen. Sie nennen zwei Gründe für ihr Angebot:

„Wir waren es leid, immer nur über Wiedergutmachung reden zu hören. Wir finden es zwar verständlich, aber zugleich peinlich, daß Wiedergutmachung sich vorwiegend in materiellen Leistungen erschöpft. Wir halten persönliche Bemühungen für eine würdigere Form der Wiedergutmachung – erst recht dann, wenn Opfer und Risiken damit verbunden sind.“

Diese moralische Komponente ergänzt der zweite durch einen sportlichen Aspekt:

„Wir meinen auch, es entspreche den Regeln des Fairplay, wenn man einem kleinen Land, über das viele andere Länder herfallen wollen, beisteht. Wir meinen, gerade junge Deutsche hätten allen Grund, darüber nachzudenken. Außerdem ist Deutschland indirekt an der Existenz des Staates Israel schuld, so daß die Erhaltung dieses Staates erst recht in deutschem Interesse liegen muß.“

„Haben Sie bedacht, daß die letzte Konsequenz Ihrer Absichten unter Umständen einen sehr hohen Preis von Ihnen fordern kann?“

„Ja, aber es gibt junge Deutsche, die schon für eine schlechtere Sache ihren Kopf hingehalten haben.“