Aus Düsseldorf kam die Kunde, daß Wirtschaftsminister Gleitze seinen Rücktritt angedroht hat. Er glaubt, den Plan des Bundeswirtschaftsministers für die Sanierung des Ruhrbergbaus nicht mitverantworten zu können. Einen Tag später fand Schiller vor der SPD-Landtagsfraktion von Nordrhein-Westfalen dennoch Verständnis für seine Ideen und für die auch von ihm als notwendig erachteten neuen massiven Hilfen.

Das Verhalten seiner Fraktion hat Gleitze nun in die Enge getrieben. Wird er zu seinem Wort stehen? Wir wollen es ihm, der SPD und auch dem Bergbau wünschen. Das Amt des Wirtschaftsministers war Anfang dieses Jahres bei der Bildung der SPD/FDP-Regierung nicht gerade begehrt. Ministerpräsident Kühn mußte schließlich Gleitze beauftragen, fast möchte man sagen, als Notlösung.

Wenn man es dem Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften auch hoch anrechnen muß, daß er sich zur Verfügung stellte, er wäre besser bei der wissenschaftlichen Arbeit geblieben. Es gibt zur Zeit kaum ein undankbareres Ministeramt in der Bundesrepublik. Eine Patentlösung für die Kohle ist nicht in Sicht. Am wenigsten freilich stieß Gleitzes Vorschlag auf Gegenliebe, die Kohlenhalden noch weiter aufzutürmen. Einige andere Ungeschicklichkeiten kamen hinzu.

Kühns eilfertige Erklärung, er verstehe die Drohung seines Wirtschaftsministers und könne dessen Rücktritt nicht verhindern, sieht verteufelt nach einem Wink mit dem Zaunpfahl aus. Geht Gleitze nun? ks.