Die Allianz Versicherungs-AG möchte nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Alfred Haase auch künftig „ein Versicherer mit Investmentabteilung bleiben und nicht, wie viele amerikanischen Versicherungsunternehmen, eine Investmentgesellschaft mit Versicherungsabteilung“. Tatsächlich könnten die anorm hohen offenen und stillen Reserven, die dieser größte kontinentaleuropäische Sachversicherer in den Nachkriegsjahren angesammt hat, eher den gegenteiligen Eindruck erwecken: Die gesamten Vermögensanlagen der Allianz, die auf der Passivseite der Bilanz ihren Gegenposten vor allem in den verschiedenen versicherungstechnischen Rückstellungen finden, haben am Jahresende 1966 die stattliche Summe von 1,6 Milliarden Mark überschritten.

Die Erträge, die aus diesen Vermögensanlagen erwirtschaftet wurden, übertrafen dabei abermals erheblich den Überschuß, der aus dem versicherungstechnischen Geschäft erzielt wurde. Mit dieser Entwicklung steht die Allianz allerdings nicht allein da, denn auch bei den meisten anderen Sachversicherern stützen die Vermögenserträge mehr und mehr den Überschuß.

Freilich ist das Versicherungsgeschäft auch bei der Allianz – in Wirklichkeit nicht ganz so schlecht verlaufen, wie ein flüchtiger Leser des Jahresabschlusses vermuten könnte. Vor allem die Rückstellungen für noch abzuwickelnde Schadensfälle werden alljährlich von der Gesellschaft sehr vorsichtig dotiert. In dieser Position stecken daher auch bei der Allianz beträchtliche „stille Reserven“, die im Jahr ihrer Bildung natürlich das Ergebnis negativ beeinflussen können. Bereits in den Vorjahren hatte die Gesellschaft solche stillen Reserven aufgelöst und den offenen Rücklagen zugeführt. An dieser Praxis hielt sie auch diesmal fest, denn in der Rücklagenzuweisung von 42,5 Millionen Mark sind wiederum „versteuerte Teile technischer Rückstellungen einzelner Branchen aus inzwischen abgewickelten Geschäftsfällen enthalten“.

Mit dieser Auflösung von stillen zu Gunsten der offenen Reserven paßt sich die Allianz den Erfordernissen an, die in der EWG an die Eigenkapitalausstattung der Versicherungsgesellschaften gestellt werden. Daß die Gesellschaft 1966 gut verdiente, läßt sich im übrigen nicht nur aus den Steuern erkennen, sondern auch aus der Tatsache, daß mühelos ein Gesamtabschreibungsbedarf (für Wertpapiere, Beteiligungen, Grundbesitz und Darlehen) von 31,7 Millionen Mark verkraftet werden konnte. H. B.