Der Unterschied zwischen dem Mercedes 250 SL und anderen Sportwagen ist seine Ruhe und Vibrationslosigkeit auch bei Höchstgeschwindigkeit „200“. Der Unterschied zu seinem Vorgänger, dem 230 SL: Motor elastischer und ruhiger durch Vergrößerung des Hubraums um 200 Kubikzentimeter und Scheibenbremsen auf allen Rädern. Das heißt: Der Motor im 250 SL ist nun der gleiche wie in den Limousinen 250 SE. Jede Mercedes-Werkstatt wird künftig die Ersatzteile auf Lager haben. Das war offenbar vom Werk beabsichtigt, um den Service zu vereinfachen. Die Ersatzteile bei den Vertragswerkstätten der Automobilindustrie häuften sich in den letzten Jahren ins Unübersehbare. Nun geht Mercedes, dessen Modelle sich im Vergleich mit den anderen Fabrikaten immerhin am längsten hielten, mit gutem Beispiel voran.

Der 250 SL hat als Sonderausstattung Getriebeautomatik und Servolenkung. Erst war ich skeptisch: Automatik in einem Sportwagen ...? Doch man muß es ausprobiert haben. Vielleicht kommt man zur selben Überzeugung wie ich: Wenn mit dem Sportwagen nicht gerade Rennen gefahren werden sollen, empfindet man das automatische Getriebe als Wohltat. Außerdem kann der Fahrer seine Aufmerksamkeit ungeteilt dem Verkehr widmen. In Notfällen verfügt er über den „Kick-down“.

Das funktioniert so: Man schleicht in einer Kolonne. Überholen unmöglich. Der Gegenverkehr reißt nicht ab. Dann bietet sich doch einmal eine etwas größere Lücke zwischen entgegenkommenden Autos. Mit einem kleinen Fahrzeug wäre Überholen unmöglich. Im 250 SL tritt man den Gashebel über den Vollgasdruckpunkt hinaus durch. In Bruchteilen einer Sekunde schießt das Fahrzeug mit seiner ganzen Kraft wie eine Rakete nach vorn.

Ich glaube, die Automatik wird sich auch in Sportwagen durchsetzen. Der neue 250 SL wird mit Vier- und Fünfganggetriebe geliefert. Die Automatik kostet 1400 Mark, die Servolenkung 550 Mark und ein Coupe-Dach für den Winter 1100 Mark mehr. Grundpreis für das Fahrzeug als Roadster: 21 600 Mark, 1000 Mark mehr als der 230 SL. Der 250 SL ist ein bildschönes, sportliches Automobil und außerdem ein komfortabler Reisewagen. Die Federung, nicht zu hart, entspricht der im 250 SE Coupé. Gute Abdichtung zwischen Motorraum und Kabine. Der Motor ist fast unhörbar. Bequeme Sitze. Außerordentlich gute Entlüftung und Heizung. Ungemein leistungsfähige Lichtanlage. Spurweite (1485 Millimeter), sehr breite Reifen und Wagenhöhe (1305 Millimeter) sorgen für ausgezeichnete Straßenlage, auch bei Nässe. Bei Geschwindigkeiten um 200 Stundenkilometer rührte sich der 250 SL nicht aus der Spur.

Benzinverbrauch auf hundert Kilometer etwa 16 Liter. Nach tausend Kilometer auf freier Strecke fehlten ein wenig mehr als zwei Liter Öl im Kurbelwellengehäuse. Das Werk hält einen Ölverbrauch bis zu drei Liter auf tausend Kilometer für zulässig. Der Benzintank faßt, wie in allen 250- und 300-Mercedes-Modellen, 82 Liter, ausreichend also für 500 Kilometer Fahrt auch bei schärfstem Tempo. Im übrigen: übersichtliche Armaturen im oberen Steuerradblickwinkel, Armstützen an den Türen, Ablagemöglichkeiten auch zwischen den Sitzen, Rundumpolsterung. Und noch eines: Das Coupé-Dach kann man zu zweit in zehn Sekunden abnehmen oder aufsetzen.

Das Neueste: Den 250 SL gibt es ab sofort auch in einer Version mit demselben abnehmbaren Coupe-Dach, aber ohne das zusammenlegbare Roadsterverdeck. Der Platz für das Sommerdach wurde sinnvoll genutzt: für zwei Notsitze. Diese Ausführung kostet 21 600 plus 510 Mark.

Jan Kurzok