Von Werner Höfer

Was in einschlägig interessierten Kreisen hinter vorgehaltener Hand gewispert wird, darf man wohl auch einmal mit allem Freimut erörtern: Ob die von einer permanenten Kris geschüttelte Kohle wenigstens von den kritischen Ereignissen in der Erdölzone des Nahen Ostens profitiert?

Diese Frage geht an den Geschäftsführer der Ruhrkohlenberatung in Essen und „Energieprofessor“ der Kölner Universität, Dr. Franz Grosse, der sich auf diese Befragung einließ mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, nicht für „die Kohle“ sprechen zu können, sondern nur für sich selber. Diese individuelle Autorität genügt jedoch vollauf, denn Franz Grosse ist ein Energiefachmann von europäischer Reputation, der regionale Energiefragen stets mit Nachdruck in einen Zusammenhang bringt mit übernationalen Energiestrukturen.

Dies ist seine Antwort auf die Frage, ob die Kohle durch die jüngsten nahöstlichen Vorgänge zu einer Art von „Kriegsgewinnlerin“ geworden sei:

„Auf direkte Weise gewiß nicht! Das wäre äußerstenfalls möglich, wenn Krise oder Krieg im Nahen Osten sehr lang dauerten, was aber nicht zu erwarten, geschweige denn zu erhoffen ist. Auf indirekte Weise mag die Kohle jedoch von den Ereignissen im Nahen Osten profitieren, indem die Kurzsichtigen und Oberflächlichen unter den Kohlenkritikern zum Nachdenken und zur Gewissenserforschung angehalten werden.“

„Und Sie meinen, Herr Professor Grosse, am Ende dieser Gewissenserforschung und dieses Denkprozesses müßte die Erkenntnis stehen: Ganz ohne Kohle geht die Chose nicht?“

„Ja! Aber es ist schade, daß eine so fundamentale Erkenntnis bei manchen, die sich um die Kohle zu kümmern haben, erst durch eine Krise oder durch einen Krieg zu Tage gefördert werden muß.“