Paavo Nurmi 70 Jahre alt – Das Rätsel seines Ruhmes

Von Adolf Metzner

In jedem Lexikon steht sein Name. In den Kreuzworträtseln taucht er immer wieder auf, und selbst Witze gibt es über ihn: Paavo Nurmi. Wären im Sport repräsentative Meinungsumfragen im Schwange, der „schweigsame Finne“ würde heute, 35 Jahre nachdem er zum letzten Male die Aschenbahn umrundete, noch immer die erste Stelle in der Popularitätsskala des Weltsports einnehmen. Und dies, obwohl seine damals so bewunderten Weltrekorde sich inzwischen als Schimäre entpuppten und bei einem imaginären 10 000-Meter-Rennen des Australiers Ron Clarke gegen den vermeintlichen Übermenschen Paavo Nurmi dieser gleich zweimal überrundet und beinahe zur komischen Figur degradiert würde. Nur noch etwas Mitleidsbeifall würden die Zuschauer ihm spenden, ihm, der in den zwanziger Jahren die Massen zu hypnotisieren schien.

Sein Name aber, das kann man prophezeien, wird dieses Jahrhundert und wahrscheinlich wie der des Milon von Kroton die Zeiten überdauern.

Seit 1952 steht ein Denkmal von Paavo Nurmi vor dem Olympiastadion in Helsinki. Schon 1925, als er noch in einer strahlenden Gloriole seine Weltrekorde lief und sein Mythos charismatisch den Erdball umkreiste, hat Aaltonen, der finnische Bildhauer, ihn in Bronze verewigt. In seinem charakteristischen Laufstil zieht er auf dem hohen Sockel vor dem Stadion als Herrscher über Zeit und Raum souverän dahin – Idol und Symbol zugleich.

Auch Renée Sintenis hat damals schon eine Statue von Nurmi während des Laufes geschaffen, wobei sie freilich stilistisch einen Mittelstreckler aus ihm machte.

Kann man diese ungeheure, bleibende Popularität erklären, wo doch der Sportruhm, wie man weiß, dem der Mimen gleicht und sich rasch zu verflüchtigen pflegt und Nurmi niemals mit den Tricks der heutigen Public-Relations-Psychologie und mit besonderer „Ruhmpflege“ arbeitete, ja, sogar ausgesprochen publizitätsscheu war?