Leo Trotzki: Geschichte der russischen Revolution. S. Fischer Verlag, Frankfurt. 760 Seiten, 22,– DM

Trotzkis Werk ist längst in dem Sinne klassisch geworden, daß es zu den Meisterwerken der Geschichtsliteratur gerechnet wird. Man braucht nicht lange auszuführen, daß es kein Muster an Objektivität ist; das hat der Verfasser kaum gewollt, und seine ganze Persönlichkeit hätte sich auch gegen den Wunsch gesträubt, er möge ein solches Buch schreiben. Aber das Buch ist insofern ein Meisterwerk, als es von Leidenschaft erfüllt und glänzend geschrieben ist und als es die Revolution so spiegelt, wie sie einer der Hauptakteure des großen Dramas gesehen hat.

Übrigens erfährt man auch an Tatsächlichem sehr vieles, an dem die Forschung nicht vorbeigehen kann. Janko Musulin zeichnet in einer kurzen, aber gedankenreichen Einleitung das Bild des Täters und Denkers Trotzki und fordert dankenswerterweise den Leser zur kritischen Lektüre auf, für die er einige Ratschläge gibt.

Dieses Buch ist eine gekürzte Ausgabe des ursprünglichen, durch die reichliche Dokumentation etwas breit geratenen Textes; man kann dem Verlag nur dankbar sein. Für den Spezialisten ist die große Ausgabe in den Bibliotheken immer noch leicht erhältlich. Aber der gebildete Laie wird gerade von dieser gekürzten Ausgabe viel Gewinn haben und zum Nachdenken angeregt. Die Übersetzung von Alexandra Ramm ist besonders zu rühmen. G. G.