In zunehmendem Maße verdichtet sich der Verdacht, daß die Quasars (quasistellare Radioquellen) nicht, wie man zuerst annahm, Milliarden Lichtjahre von uns entfernte sternartige Objekte unvorstellbarer Helligkeit, sondern – astronomisch gesehen – relativ nahe Gestirne sind.

Die Vermutung, jene bizarren Licht- und Radiowellen ausstrahlenden Gebilde müßten sich am Rande des beobachtbaren Universums befinden, basierte auf der Rotverschiebung des Lichtspektrums der Quasars.

Wird das Licht eines Sterns durch ein Prisma zu einem Farbspektrum ausgebreitet, dann erscheinen an verschiedenen Stellen helle und dunkle Linien, aus deren Gruppierung sich die stoffliche Zusammensetzung des Himmelskörpers ablesen läßt. Die Position dieser Spektrallinien auf der Farbskala entspricht den Wellenlängen des Lichtes, das von den chemischen Elementen emittiert, beziehungsweise absorbiert wird. Je länger die Welle, desto näher liegt die entsprechende Linie dem roten Ende des Spektrums.

Nun hat man bei schwächer leuchtenden und deshalb wahrscheinlich weiter entfernten Galaxien festgestellt, daß die für eine Reihe von chemischen Elementen charakteristischen Linien-Gruppen zwar im Spektrum zu finden sind, jedoch nicht am rechten Platz; sie sind zum langwelligeren roten Ende der Farbskala hin verschoben. Dieses Phänomen wird mit dem Dopplereffekt erklärt: Die Länge der Wellen, die ein. Gegenstand abstrahlt, verlängert sich mit der Geschwindigkeit, mit der er sich vom Beobachter fortbewegt.

Die Rotverschiebung ist also ein Maß für die Fluchtgeschwindigkeit eines strahlenden Objektes. Sie ist zugleich auch ein Maß für dessen Entfernung, denn nach unserer gegenwärtigen Vorstellung vom sich ausdehnenden Universum streben zwei kosmische Gebilde schneller auseinander, je größer ihre Distanz ist. Die Rotverschiebung der Quasars ist extrem groß, weshalb man auf ihre extrem große Entfernung schloß.

Nun haben Astronomen inzwischen festgestellt, daß die Rotverschiebung im Spektrum von sieben Quasars gleich groß ist (1,95). Ergo müßten sich diese sieben Objekte mit gleicher Geschwindigkeit (80 Prozent der Lichtgeschwindigkeit) vom Sonnensystem fortbewegen. „Die Wahrscheinlichkeit, daß die sieben Quasars so exakt in ihren Bewegungsgrößen übereinstimmen, ist unvorstellbar gering“, erklärt das Astronomen-Ehepaar Dr. G. R. und Dr. E. M. Burbidge von der Universität Kalifornien im „Astrophysical Journal“. Deshalb müsse man die Rotverschiebung dieser Objekte auf andere Weise erklären. Quasars könnten zum Beispiel Gebilde von sehr großer Masse sein, deren Gravitationskraft nach der allgemeinen Relativitätstheorie imstande wäre, die abgestrahlten Lichtwellen zu verlängern. Die amerikanischen Forscher nehmen an, daß sich die quasistellaren Radioquellen entweder in der Milchstraße befinden oder jedenfalls nicht so weit davon entfernt sind, wie die nächste Galaxie. V. G.