Von Michael Jungblut

Der amerikanische Elektrokonzern ITT wirbt mit der Zukunft – ganzseitig und in Farbe. Auf Anzeigen, die er in das Wirtschaftsmagazin Fortune einrücken ließ, sieht man ein junges Mädchen mit Freunden in der Eisbar. Aus einem winzigen Transistorgerät, Anhängsel an einem goldenen Halskettchen, tönt die Stimme der Mutter. Mit Hilfe des gleichen Medaillons antwortet Ann.

„Der allgemeine Gebrauch solcher dem Zeitalter der Raumfahrt entstammenden Geräte steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Tür“, erklärt die International Telephone and Telegraph Corporation dazu, „aber dieser Tag kommt rasch näher, dank der Mikroelektronik.“

Um nicht in den Geruch technischer Schwarmgeister zu geraten, setzen die Anzeigentexter hinzu: „Eine Schaltung von der Größe eines Nagelkopfes kann heute schon einen Quadratfuß herkömmlicher Miniaturschaltung ersetzen; ein verschluckter Sender in Erbsengröße übermittelt dem lauschenden Arzt diagnostische Daten aus Magen und Darm. Computer, die früher die Ausmaße eines Eisenbahnwaggons hatten, finden inzwischen in einem Schuhkarton Platz; Funkgeräte, die noch vor kurzem auf einen Jeep montiert werden mußten, können jetzt im Helm eines Infanteristen untergebracht werden...“

Der von Europäern so gern belächelte unbegrenzte Fortschrittsglaube vieler Amerikaner ist bei den Managern und Technikern der Elektronikindustrie besonders ausgeprägt – nicht zu Unrecht. In den USA schätzt man, daß die elektrotechnischen Unternehmen schon 1970 mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit Produkten bestreiten werden, von deren Existenz heute bestenfalls die Männer in den Laboratorien eine Ahnung haben. Den Löwenanteil der Neuentwicklungen werden die Elektroniker beisteuern.

Märkte beherrschen

Vor zwanzig Jahren rangierte die elektronische Industrie der USA in der Rangliste der umsatzstärksten Branchen noch auf Platz fünfzig. Inzwischen hat sie sich auf Position fünf vorgearbeitet und kaum jemand zweifelt daran, daß sie sich noch weiter nach oben boxen wird. Auch 1967 kann die Gruppe nach Schätzung der Fachzeitschrift Electronics mit einer fast zehnprozentigen Steigerung ihres Umsatzes auf rund 21,5 Milliarden Dollar rechnen. Spitzenreiter werden das Farbfernsehen, die Produktion von Computern und elektronischen Ausrüstungen für den militärischen Bedarf sein.