In Rüsselsheim müßte zumindest ein Typ umbenannt werden: Der Opel-Rekord, in vergangenen Jahren der Spitzenreiter in der Produktionsskala, bewegt sich auf dem absteigenden Ast. Erstmals hat ihn 1966 sein kleiner Bruder, der Opel-Kadett, überrundet. Während 1965 noch 329 000 Rekord-Typen (einschließlich Kombi) 257 000 Kadetten gegenüberstanden, liefen 1966 329 000 Kadett-Modelle und 301 000 Rekord-Wagen vom Band, von denen bei Jahresende wenigstens 9000 auf Halde standen. Das Überschreiten der vierten Umsatzmilliarde (+ 11 Prozent) geht daher in erster Linie auf das Konto des Benjamins in der Opel-Familie.

Zwar versuchte das Unternehmen, dem wenig rekordfreudigen Rekord durch einen Modellwechsel im August vergangenen Jahres neuen Auftrieb zu geben. Doch die weiter amerikanisierte Form fand zumindest in Deutschland nicht den erhofften Anklang. Es sollte daher nicht wundern, wenn die Frankfurter Automobilausstellung im Herbst dieses Jahres in dieser Klasse neue Überraschungen brächte. Die Wahrscheinlichkeit ist um so größer, als sich der Wettbewerb der Zukunft hauptsächlich in diesem Hubraumbereich abspielen dürfte.

An den „großen Drei“ will Rüsselsheim vorerst festhalten, obwohl der Versuch, mit ihnen in den Markt von Daimler-Benz einzubrechen, als gescheitert angesehen werden muß. Die Verkäufe, die im Vorjahr noch rund 29 000 Wagen umfaßten, sanken 1966 unter 19 000.

Der Eindruck, daß es dem Top Management von jenseits des Ozeans zuweilen am richtigen Einfühlungsvermögen in die Feinheiten der europäischen Marktbedürfnisse mangelt, läßt sich angesichts der Produktpolitik der Vergangenheit schwer vermeiden. Andererseits darf man nicht verkennen, daß es Opel schwer hat, seinen Fabrikaten das exklusive Flair europäischer Marken zu verleihen. Ob hier möglicherweise mit dem „Commodore“ ein Einbruch gelingt, muß abgewartet werden.

Immerhin scheint es, daß nach einem schmerzhaften Schrumpfungsprozeß – im Juni sind nochmals 5 Tage Kurzarbeit vorgesehen – nun auch bei Opel die Talsohle des Konjunkturtiefs durchschritten ist. Das Ergebnis–1966 vor allem durch höhere Abschreibungen (+152 Millionen Mark) beeinträchtigt – dürfte im laufenden Jahr eine weitere Verschlechterung erfahren. Auch die Investitionen sollen, im Gegensatz zu den Plänen Wolfsburgs, auf 300 Millionen DM gedrosselt werden. Die Geschäftsleitung, von den USA her an solches Auf und Ab gewöhnt, gibt sich gelassen. Die „kleine“ Tochter von Amerikas größtem Konzern kann es sich leisten, die Dinge abzuwarten.

gr