Professor Dr. Hans Lettré, der Leiter des Instituts für Experimentelle Krebsforschung der Universität Heidelberg, rezensiert hier ein Sachbuch über sein Fachgebiet.

Das Interesse der Öffentlichkeit an Informationen über das Krebsproblem ist sehr groß. Diese Tatsache spiegelt sich vor allem auf dem Gebiet des „großen Geschäftes mit der Krebsangst“ im Blätterwald gewisser Illustrierten wider, die beharrlich neue Sensationsmeldungen aus diesem Gebiet bringen, angebliche Forschungsergebnisse, die ebenso wie die Forscher, die sie erzielt haben wollen, der Fachwelt meist völlig unbekannt sind. Die weite Verbreitung der Krebskrankheit, die bisher unzulänglichen therapeutischen Möglichkeiten, eine durch verwirrende Veröffentlichungen erzeugte Krebsfurcht, die mögliche Bedrohung durch Umweltfaktoren, auch die Tatsache, daß Krebsbehandlungsmethoden durch Gerichtsverhandlungen als positiv oder negativ bewertet erscheinen, all dies erzeugt ein Gefühl der Unsicherheit und damit den um so stärkeren Wunsch nach sachlicher Unterrichtung.

Die ZEIT hat es wiederholt bedauert, daß man sich in Deutschland nur unbefriedigend um eine Popularisierung wissenschaftlicher Ergebnisse, also um die einfache, aber richtige Darstellung von komplizierten Zusammenhängen bemüht. Das Krebsproblem stellt eine doppelt schwierige Aufgabe, denn die fließenden Resultate der Forschung, die ein breites Spektrum umfassen, geben kein gesichertes Fundament, auf dem man eine populäre Darstellung aufbauen könnte. In einer Art Ungenauigkeitsrelation kann man hier die Öffentlichkeit entweder auf Kosten der Richtigkeit oder der Verständlichkeit unterrichten.

In seinem Buch

E. Bäumler: „Das maßlose Molekül“, Bilanz der internationalen Krebsforschung; Econ Verlag, Düsseldorf/Wien 1967,1. Aufl.; 366 S., geb. 25,– DM

ist der Verfasser dieser Schwierigkeit aus dem Wege gegangen, indem er eine quasi anekdotenhafte Schilderung gewählt hat. Mit einer Auflockerung des Gebietes in kleine Abschnitte, die ineinander übergehen, wird eine unterteilte Lektüre des Buches möglich. Trotz dieser Form – und trotz der flüssigen Schreibweise des Autors – stellt das Buch an den Leser große Anforderungen, wenn er dem Inhalt folgen will. Für den Krebsforscher bedeutet es einen Spaziergang durch sein Gebiet, den er sich durch Kritik an dem und jenem nur anregender machen kann. Dem Mediziner, dem Biologen, dem Biochemiker, die vielleicht auf Teilgebieten arbeiten, gibt es einen Überblick, in dem der Quellennachweis ihm auch den Zugang zu der Originalliteratur vermittelt.

In neun Kapiteln behandelt Bäumler alle Gebiete der Krebsforschung: die Beschreibung der Eigenschaften der Krebszellen, die krebserzeugenden Faktoren, die Problematik der krebserzeugenden Virusarten, biochemische Probleme, die Bedeutung der Immunologie, der Chemotherapie, der Epidemiologie, der Prophylaxe.