Die kybernetische Pädagogik hat eine große Zukunft – „Halbwertzeit“ des Wissens erfordert immer wieder neue Programme – Mathematisierung und Technisierung des Lehrens

Von Helmar Frank

Professor Dr. Helmar Frank ist Leiter des Instituts für Kybernetik an der Pädagogischen Hochschule Berlin

Der jährliche Wissenszuwachs wird unentwegt größer. Angesichts der schon heute bestehenden Informationsüberschwemmung ist die große Aufgabe unserer Zeit, das Lernen und das Umlernen zu beschleunigen. Ob wir unsere Herrschaft über die automatisierte Welt aufrecht erhalten, hängt davon ab, ob wir uns rechtzeitig zu wirksamen organisatorischen Maßnahmen entschließen können, den didaktischen Informationsumsatz fortwährend den vorhersehbaren Erfordernissen der nahen Zukunft anzupassen. Die Frage liegt nahe, ob uns auch hierfür kybernetische Maschinen, insbesondere große Datenverarbeitungsanlagen, dienen können.

Bei rund achtzig Prozent dessen, das wir zu lernen haben, wird unser Lernen erheblich dadurch erleichtert, daß uns der Stoff in einem Prozeß des Lehrens enthüllt wird. Wesentlich ist dabei in der Regel nicht der Lehrer, sondern die in Lehrquanten geeigneter Größe und Reihenfolge gegliederte Darbietungsform.

Zeit und Scharfsinn

Von den geläufigen Lehrstoffen sind es wieder rund achtzig Prozent, die mit vertretbarem technischem Aufwand statt durch einen Lehrer auch durch einen Lehrautomaten vermittelt werden können. Gegenüber dem herkömmlichen Direktunterricht hat diese „Programmierte Instruktion“ den Vorzug, stärker zu wirken. Dies beruht teilweise auf der Möglichkeit, individuell nach seinem eigenen Tempo und einer sich selber angepaßten Reihenfolge zu lernen.