B. W., Hamburg

Am 17. Juni werden in Hamburg etwa 15 000 Schüler freiwillig zur Schule gehen, um in Arbeitsgruppen über den Sinn des Feiertages zu diskutieren. Das Hamburger Schülerparlament, in dem annähernd 250 Sprecher der Volks- und Mittelschulen, der Berufsschulen und Gymnasien vertreten sind, hatte mit Mehrheitsbeschluß mittels einer Flugblattaktion eine Umfrage zum 17. Juni an den 350 Hamburger Schulen durchgesetzt. In den letzten zwei Jahren hatten die Jungparlamentarier anläßlich des Feiertages zu freiwilligen Arbeitseinsätzen in Krankenhäusern und Altersheimen aufgerufen; die Beteiligung war jedesmal gering gewesen. Darum hieß es nun: „Wir wollen mal was Vernünftiges tun und den Tag der deutschen Einheit nicht mit langen Reden und Pathos feiern, sondern arbeiten.“

Unter den 55 000 Hamburger Schülern kam es zu heftigen Diskussionen. Die einen wollten mit ihren Eltern ein verlängertes Wochenende feiern, andere den gesetzlichen Feiertag respektieren; manche meinten, es sei nicht Sache von Schülern, nach neuen Formen für den 17. Juni zu suchen, wieder andere lehnten Demonstrationen in Schulen rundweg ab. Auch bei den Lehrern waren die Meinungen geteilt.

Ein sechzehnjähriger Gymnasiast schrieb in seinem Fragebogen: „Meine Eltern sind der Ansicht, daß ich zu solchen Fragen erst Stellung beziehen darf, wenn ich mein Abitur habe. Aber ich gehe trotzdem hin und höre mir an, was ein Bürgerschaftsabgeordneter über das Thema ‚Oder-Neiße-Grenze – ja oder nein‘ sagt.“ Ein achtzehnjähriger Berufsschüler erklärte: „Mein Meister sagte: ‚Mach, was du willst.‘ Mein Vater sagte: ‚Schaden kann es bestimmt nicht.‘ Mein Lehrer meinte: ‚Warum denn nicht.‘ Und ich sage: Es kommt ganz auf das Wetter an.“ Ein neunzehnjähriger Primaner schrieb: „Die Schulsprecher sympathisieren wohl meistens mit der SPD, zumindest deren Eltern. Bürgerschaftsabgeordnete sollten übrigens von sich aus häufiger in den Schulen zu aktuellen politischen Problemen sprechen und nicht nur an solchem Tag.“