Seit meiner letzten Grippe suche ich einen Hausarzt. Ich habe schon öfter versucht, einen Arzt für mich zu interessieren, aber es klappte nie, auch diesmal nicht. Ich war mit einer Empfehlung von Freunden zu ihm gegangen und hatte mich auch an deren Rat gehalten, mich als Privatpatientin anzumelden, „weil das immer netter aussieht“.

Die Sprechstundenhilfe erklärte mir am Telephon: „Warten müssen Sie sowieso, und wollen Sie nicht überhaupt erstmal zu Hause bleiben, solange Sie noch Fieber haben?“ Schließlich gab sie mir dann doch noch einen Termin, am Abend. Ich wartete eine Stunde, und als ich dran war, hatte es der Arzt eilig: „Was glauben Sie denn, was Sie haben?“ Dann horchte er in Herz und Lunge, sah mich an und sagte: „Kommen Sie morgen früh noch mal wieder. Ich will Sie mal röntgen, es könnte die Lunge sein.“

Ich lag wieder zu Hause, ohne Medikamente. Die Lunge? Hatte ich Tbc? Ich hatte jedenfalls Angst und nicht die Kraft, nur einer Erkältung wegen die Nachtapotheke zu suchen. Am nächsten Morgen stellte sich dann alles als Irrtum heraus. Es war nicht die Lunge.

„Aber wieso habe ich vergessen, eine Blutuntersuchung machen zu lassen“, wunderte sich der Doktor nun, „es könnte ja auch eine Blutkrankheit sein. Kommen Sie morgen früh noch mal.“

Nun war zwar die Angst vor der Tbc und der Fettkur vorüber, dafür ging mir in den nächsten 24 Stunden durch den Kopf: Leukämie – das soll tödlich sein. Weitere 24 Stunden später sollte ich noch einmal in die Sprechstunde kommen, um die Wahrheit zu erfahren. Allein mir fehlte der Mut. Am Telephon ließ ich mir sagen: „Alles in Ordnung, Sie sind gesund, und vergessen Sie nicht, den Krankenschein zu schicken.“

Das reichte.

Nun suche ich wieder, für die nächste Grippe, für die nächste Tbc oder Leukämie oder wie auch immer die Krankheit dann heißen soll, einen Hausarzt. „Es gibt nur einen Weg“, sagte eine lebenskluge Freundin, „man muß einen im Bekanntenkreis haben. Da geht man abends hin, trinkt einen Schnaps, und dann wird untersucht.“

Da wird der Doktor also zur gesellschaftlichen Eroberung. Aber mir würde schon weniger genügen, einfach ein Arzt, wie ihn die Bundesärztekammer immer empfiehlt, einer, der mir nicht Angst und Schrecken einjagt – der die Nerven seiner Patienten schont. Und meine Grippe kuriert. Nina Grunenberg