Lernen ist eine gemeinsame Anstrengung von Schülern und Lehrern und nicht ein Kampf zwischen ihnen – dieser sympathische Satz steht auf einem Zettel, den in die Hand gedrückt bekam, wer sich in Dortmund bei der Zweiten Internationalen Schulausstellung zum englischen Stand begab. Und Miß Davis führte ihm dann vor, wie das in der Praxis aussehen kann – am Beispiel der Partnerstadt Dortmunds und am Thema der integrierten Gesamtschule.

Daß die Gesamtschule die Schule der Zukunft ist, wird zwar auch bei uns von vielen behauptet; zu sehen aber ist in Deutschland davon bisher nur sehr wenig. Noch beharrt man auf der Trennung der Volks- von der Realschule und beider von der Oberschule; höchstens zu einer additiven Zusammenfassung der drei Zweige unter einem Dach hat man es bisher gebracht. Und so haben wir denn – nicht überall, aber doch mehr, als gut ist – nicht nur den Kampf zwischen Lehrern und Schülern, sondern auch noch den Kampf zwischen mindestens drei Schularten.

Für zehn Tage war nun in Dortmund das Bild der Schullandschaft von morgen zu sehen. Unter dem Thema „Lebendiges Erziehen in Schule, Betrieb und Familie“ stellten sich vierzehn Nationen mit mehr oder weniger Geschick selber dar – wobei der Bereich der Familie naturgemäß sehr klein war; schließlich läßt sich eine schwedische, amerikanische oder deutsche Familie nur schwer ausstellen.

Von einem pädagogischen Beirat vorzensiert, boten 400 Aussteller an, was die Schule von heute angenehm und effektiv und die Schule von morgen überhaupt erst möglich macht. Der zuständige Stadtrat hat nicht nur zwischen Herstellern von guten und schlechten Möbeln, Lehrmitteln, Fußböden, Büchern, Schulpavillons und Staubsaugern unterschieden; er teilte überdies das Ausstellungsgelände in einen kommerziellen und einen „ideellen“ Bereich und bestimmte, wer die Einrichtungen für die Klassenzimmer, die Bibliothek, die Lehrwerkstätten im ideellen Teil liefern durfte. Die Wirklichkeit kommt dem auch ausgestellten Klassenzimmer von vorgestern aus dem Dortmunder Schulmuseum vielfach näher als diesen Traumklassen.

Die Firmen konnten der Vorzensur unterworfen werden – Institutionen leider nicht. So geschickt und einleuchtend etwa der Stand der Engländer oder der der Odenwaldschule aufgebaut war, so unübersichtlich und von jeder näheren Kenntnisnahme abschreckend war die Darstellung des Schulsystems der DDR durch das Büro der „Bonner Berichte“, das damit einen Auftrag des Ministeriums für Gesamtdeutsche Fragen erledigte.

Ihre Ausstellung war nicht nur langweilig und konfus, sondern dazu ein Ärgernis besonderer politischer Art: Als gäbe es in der Bundesrepublik kein Kriegsspielzeug, begannen die Bonner Verantwortlichen ihre „Informationen“ mit einer Nachbildung des Panzers T 34 samt Erläuterung und Spielanweisung des herstellenden VEB. Und überhaupt wurde so getan, als sei nicht nur die Staatsbezeichnung, sondern so ziemlich alles andere auch in der DDR in Anführungsstriche zu setzen. Sie sollten einmal hinfahren.

Die Stände einzelner Institutionen, die auf irgendeine Weise mit Erziehung befaßt sind, scheinen jedoch nicht der Anlaß zu sein, daß die Grenze von 150 000 Besuchern leicht überschritten wurde. Hauptanziehungspunkt war vielmehr, daß sich in Dortmund die Schule in ihrer Funktion darstellte.