Nach einer Woche Krieg nahmen die Diplomaten wieder das Wort. Auf dem internationalen Parkett begann das Tauziehen um eine Neuregelung in Nahost. Moskau schlug sich eindeutig auf die Seite der Araber. Mitte dieser Woche wurde mit einem spektakulären Auftritt der Sowjets bei den Vereinten Nationen gerechnet. UN-Beobachter erwarteten einen Blitzbesuch des sowjetischen Ministerpräsidenten Kossygin.

Die diplomatische Trümmerbeseitigung wird ein langwieriges Geschäft werden. Einen Vorgeschmack davon hatten in der vorigen Woche schon die schwierigen Bemühungen um den Waffenstillstand gegeben. Der Feuereinstellungsbefehl des Sicherheitsrates wurde zunächst nur von Jordanien befolgt, erst vierundzwanzig Stunden später auch von Ägypten, Syrien und Israel. Vorangegangen war eine sowjetische Forderung, die Israelis als Aggressoren zu verurteilen.

Am Freitag voriger Woche vermochte Präsident Nasser das Ausmaß seiner Niederlage auch vor der eigenen Bevölkerung nicht länger zu verbergen. In einer Rundfunk- und Fernsehansprache bekannte er, „daß Ägypten einen schweren Rückschlag erlitten hat. Für die Tragödie nehme ich die volle Verantwortung auf mich“. Er habe beschlossen, „völlig und endgültig jedes öffentliche Amt und jede politische Rolle niederzulegen“. Um seinen Willen zu bekräftigen, ernannte Nasser seinen bisherigen Vizepräsidenten, Zakaria Moheiddin, zum Nachfolger.

Die ägyptische Nationalversammlung und der Ministerrat verweigerten Nasser den Abschied, um den er gebeten hatte. Er erklärte daraufhin, so lange im Amt zu bleiben, bis „alle Spuren der Aggression beseitigt“ seien. Danach solle eine Volksabstimmung über seine politische Zukunft entscheiden.

Indessen mußte eine Reihe von Generalen die ägyptische Niederlage mit ihrem Rücktritt quittieren: Verteidigungsminister Baddan und der Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte, Feldmarschall Amer, wurden auf eigenen Wunsch entlassen, die Befehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine mußten gehen. Nachfolger Amers wurde Generalmajor Mohammed Fausi.

Schon am Wochenende triumphierte „Al Gumhuria“, das Sprachrohr der „Arabischen Sozialistischen Union“, der einzigen Partei Ägyptens: „Eine Niederlage gibt es nur für die, die sie akzeptieren. Wir haben sie nicht akzeptiert.“

Daß es Israel schwer haben wird, seinen Sieg auf dem Schlachtfeld in politisches Kapital umzumünzen, zeigte sich bereits am Wochenende im Sicherheitsrat: Wegen der anhaltenden Kämpfe an der syrisch-israelischen Grenze, für die man Tel Aviv verantwortlich machte, schlug die Stimmung zuungunsten Israels um.