Bonn

Theodor Heuss war zehn Jahre lang deutsches Staatsoberhaupt. Ihm sind 190 Zeilen, acht kleinere Bilder, eine Karikatur und ein ganzseitiges Porträt gewidmet. Elly Heuss-Knapp, seine Frau, ist mit viereinhalb Druckzeilen bedacht worden.

Heinrich Lübke amtiert seit acht Jahren als Bundespräsident. Sein Wesen und Wirken wird mit 870 Zeilen und 19 Photos gepriesen. Viermal ist Lübke ganzseitig in Schwarzweiß gezeigt und sechsmal in Farbe auf dem Titelblatt. Ehefrau Wilhelmine kommt auf einem Großbild und in einem 250-Zeilen-Interview gut zur Geltung.

Der Bundespräsident heißt die 28-Seiten-Illustrierte, in der auf diese Weise die beiden deutschen Nachkriegspräsidenten als Menschen, Politiker und Würdenträger vorgestellt werden. 200 000 Exemplare sind schon in Lesezirkelmappen eingeheftet und über verschiedene Organisationen unters Volk gebracht worden. Herausgeber und verantwortlich ist die „Bundeszentrale für politische Bildung“ an der Berliner Freiheit in Bonn.

Diese Behörde, finanziell und personell dem Bundesinnenministerium unterstellt, verfügt jährlich über rund zwölf Millionen Mark für ihre „Sacharbeit“. Sie gibt die Wochenzeitung Das Parlament und staatsbürgerliche Schriften heraus, veranstaltet Arbeitstagungen, Lehrgänge und Preisausschreiben, liefert Schautafeln und Karten für Schulen, vertreibt Filme und Diapositive. Aufgabe der „nicht rechtsfähigen“ Bundesanstalt ist es, „den demokratischen und den europäischen Gedanken im deutschen Volke zu festigen und zu verbreiten“.

Darum auch wurde die Lübke-Illustrierte, die neben dem knappen Heuss-Gedenken noch einen Rückblick auf Weimar und eine Erläuterung der Verfassungsrechte des Bundespräsidenten enthält, mit einer weihevollen Einleitung versehen: „Im Bundespräsidenten findet der Staat einen Repräsentanten, der über den Parteien steht und damit als Vertreter des ganzen Volkes auftritt.“ Laut Vorspruch braucht die Bundesrepublik einen Mann, „der die Nation verkörpert. Das tut der Bundespräsident für Deutschland und die Deutschen“.

Das Bundes-Bilderblatt demonstriert, daß dies Heinrich Lübke vor allem im Ausland tut. Sieben Bilder zeigen ihn mit farbigen Bürgern Asiens und Afrikas; einmal ist Lübke selbst in bunte Negertracht gehüllt, als togolesischer Ehrenhäuptling. Ein kleines Photo zeigt Lübke und Heuss gemeinsam, und aufdringlich oft wird geschildert, daß der Sauerländer 1959 zum Nachfolger des Schwaben gekürt wurde.