Es ist merkwürdig: Noch vor zwei Jahren, als das Gekreisch der Beatles-Fans die höchste Phonzahl erklomm und die Verhimmelung des Liverpooler Quartetts schon pathologische Formen annahm, sah man die Intellektuellen (und was sich dafür hält) hochmütig abseits stehen. Inzwischen ertönt das Tosen und Geschwärm nur noch mezzo voce, die Pilzköpfe sind nicht mehr en vogue (sagen jene, die es wissen müssen); und da beginnt nun die Eule der Minerva zur Dämmerung ihren Flug, will sagen: aller Orten regen sich jetzt die Federn der Literaten, den Verlust an Massengunst aufzuwiegen durch das wohlformulierte Lob einer Elite. Das Lob gibt sich kund in ernsthafter Betrachtung und Analyse.

Ist es wirklich merkwürdig? Ist es so erstaunlich, daß ein Phänomen brodelnder Hysterie, nun, da nichts mehr brodelt, als Gegenstand soziologischer, massenpsychologischer und literarischer Befunde zu unverhofften Ehren kommt? Den Beatles Artiges nachzurühmen, ist auf Highbrow-Partys schon selbstverständlich, und zur preisenden Leier greifen inzwischen auch Autoren, die unseres Vertrauens würdig sind. Rühmen, das ist’s! Ein Uwe Herms feiert „der Beatles guten Klang“ in so konträren Blättern wie der „Welt der Literatur“ und „konkret“; Herms vereint sie unter den enthusiastischen Rufen „Außer den Beatles nichts!“ und „Beatles forever!“ Ein Hellmuth Karasek lobt auf einer ganzen Seite der „Stuttgarter Zeitung“ der Beatles Dichten und Trachten. Der NDR erquickt uns mit einem dänischen Hörspiel, dessen Titel einem Beatles-Hit entlehnt ist: A hard day’s night. Dem Vernehmen nach soll Gabriele Wohmann ein Hörspiel vollendet haben, das sich „leitmotivisch“ des Beatles-Songs Norwegian Wood annimmt.

Minervas Eule – in der Tat. Das Entzücken der Saison heißt Penny Lane; und wo immer die parodistische Barockkoloratur der hohen Trompete erklingt, die diesem Stück seine Unverwechselbarkeit leiht, kann man ernsthaften Gesprächs gewärtig sein; der Text von Penny Lane ist schon so sakrosankt, daß über seine Verdeutschung (und deren Mängel) die „Welt“ mit dem Übersetzer haderte.

Solcherart Anteilnahme verdient Beachtung. Wann und wo hätte je deutsche Schnulzenseligkeit seriöse Federn in Bewegung gesetzt? Zu Recht nicht. Sie zu lesen verursacht Übelkeit, sich davon zu erholen ist das Studium von Penny Lane etwa ein probates Mittel.

Und das ist der Text aus John Lennons munterer Feder, die uns auch alle anderen Texte der Beatles beschert hat, die hier im folgenden zitiert werden:

In Penny Lane there is a barber showing

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