Von Heinz Grossmann

Im Lochkartenarchiv des Republikanischen Clubs am Kurfürstendamm, wo alle Zeitungsausschnitte über die Berliner Demonstrationen seit dem 2. Juni nach 112 Merkmalen aufgeschlüsselt sind, führen die Merkmale „Rathaus“ und „Jubelperser“ auf die Spur jener merkwürdigen Persertruppe, die überall während des Schahbesuches in wechselnden Rollen ihr Spiel trieb. Volle Aufklärung allerdings ist aus den aufgeklebten Zeitungsausschnitten nicht zu erwarten – zu widersprüchlich sind die Textstellen und Bilder, die sich auf die Schah-Truppe beziehen.

Aufklärung könnten nur die Behörden geben, die – wie das Auswärtige Amt in Bonn und die Polizeipräsidenten der Städte – die Einzelheiten dieses Gastspiels kannten oder festlegten.

So könnte etwa der Münchner Kriminaldirektor Hering sagen, welche fünfzig Perser am 1. Juni einen Linienflug München–Berlin gebucht hatten. Es seien, hatte Hering am Abend des 1. Juni vor der Presse erklärt, Demonstranten, die dem Schah vorausgeflogen seien, so daß auch in Berlin mit Tumulten zu rechnen sei. Iranische Studenten halten es dagegen für unwahrscheinlich, daß eine halbe Hundertschaft studierender Schahgegner gemeinsame Rundflüge unternommen haben soll.

Der Hinweis auf diese fünfzig. Berlintouristen hat für politische Polizei und autoritäre Presse die zentrale Steuerung und Organisation der Demonstrationen ausreichend belegt.

Vor dem Schöneberger Rathaus und der Deutschen Oper haben sich diese bewaffneten Perser wiederholt gegen die unbewaffneten Demonstranten wenden können; die Westberliner Polizei schaute zu. Man wird sich daran zu gewöhnen haben, daß der Geheimpolizei irgendeines demokratischen Musterlandes – Persiens, Spaniens oder Griechenlands – bei uns die Funktion einer Hilfspolizei zugebilligt wird.

Eine gewisse Presse hat sich offenbar längst daran gewöhnt; ihre Berichte über das Auftreten dieser Schlägertruppe zeugen von unverhohlener Sympathie und strenger Parteilichkeit für die „kaisertreuen“ Perser: „Demonstranten schlugen sich mit jungen Persern, die über diesen Empfang ihres Staatsoberhauptes entsetzt waren“ (Bild-Zeitung, 3. Juni).