Endlich eine verheißungsvolle Nachricht zur Personalpolitik des Auswärtigen Amts: Georg Federer, Botschafter in Brüssel, soll Personalchef des Brandtschen Ministeriums werden. Zum erstenmal erhält damit ein Karriere-Diplomat, der die Welt kennt, diesen wichtigen Posten, von dem für die richtige Besetzung aller auswärtigen Vertretungen soviel abhängt. In der Ära Adenauer war es üblich geworden, ausgerechnet diesen Posten mit Beamten aus der Kölner Stadtverwaltung zu besetzen, die allzu häufig die weite Welt für eine vergrößerte Kommunalverwaltung hielten.

Wenn Federer am 1. Oktober die Personalabteilung übernimmt, dann werden bei dem bevorstehenden großen Revirement so abwegige Erwägungen, wie sie jüngst angestellt wurden, gar nicht mehr aufkommen – die Idee etwa, Botschafter von Walther, der Ende dieses Jahres aus dem Dienst scheidet, durch seinen Londoner Kollegen Herbert Blankenhorn zu ersetzen, der in zwei Jahren die Altersgrenze erreicht. Walther ist erst vor eineinhalb Jahren nach Moskau entsandt worden und löschte in dieser Zeit nicht nur die Erinnerung an seinen ungeliebten Vorgänger aus, sondern machte die Botschaft der Bundesrepublik „zur beliebtesten Botschaft der sowjetischen Kapitale“, wie ein kompetenter Franzose neulich ein wenig neidisch bemerkte.

Solche Schildbürger-Pläne wie der, auf dem für uns schwierigsten und wahrscheinlich wichtigsten diplomatischen Posten zweimal hintereinander kurzfristig den Botschafter zu wechseln, werden unter Federer sicherlich nicht mehr geschmiedet werden. Man kann im Gegenteil hoffen, daß der neue Personalchef sich darum bemühen wird, Walthers Dienstzeit zu verlängern. Dff.