Die Umsätze auf den Aktien- und Rentenmärktensind in den letzten Tagen bis zur Bedeutungslosigkeit zusammengeschrumpft. Weder die von der Bundesbank verfügte Mindestreservensenkung noch der große Zinstermin hinterließen an der Börse belebende Spuren. Angesichts der in England und in den USA wieder steigenden Zinsen ist der Geldexport wieder lohnend geworden. Im übrigen bereiten sich die Banken auf die Befriedigung der Kapitalansprüche der öffentlichen Hand, vor allem des Bundes, vor. Dazu scheint auch ein gewisser Verkauf alter Rentenbestände zu gehören.

Die Hoffnungen auf eine baldige weitere Zinssenkung in der Bundesrepublik sind weitgehend geschwunden. Der Sechsprozenter scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Die Versicherungswirtschaft findet gegenwärtig wieder interessante Schuldscheinkonditionen (mit Renditen von 7 1/4 Prozent). Da auf diese Titel nicht abgeschrieben zu werden braucht, werden sie lieber genommen als „normale“ festverzinsliche Werte.

Vom Rentenmarkt her kann das Aktiengeschäft vorerst keine Anregungen erwarten. Ihm bleibt die Hoffnung auf eine allmähliche Konjunkturbelebung. Aber wann werden sie sich erfüllen? In Börsenkreisen ist man sich einig darüber, daß daraus so lange nichts wird, bis in Bonn die Würfel über die „mittelfristige Finanzplanung“, das heißt über den Ausgleich der Haushalte für die nächsten Jahre, nicht gefallen sind. So lange das Ausmaß künftiger steuerlicher Belastungen nicht feststeht, werden die Unternehmer vorsichtig disponieren. Werden die Entscheidungen nicht bald fallen, dürften zahlreiche Großunternehmen, die heute noch eine bessere Kapazitätsauslastung in meist vom Ertrag her unbefriedigenden Exporten suchen, ihre Geschäftspolitik gründlich revidieren. Das hätte weitere Entlassungen oder Kurzarbeit zur Folge.

Angesichts dieser Lage ist es den Banken nahezu unmöglich geworden, die Kundschaft zu Aktienkäufen zu animieren. Nicht einmal die durch die Dividendenzahlungen frei gewordenen Gelder sind im früheren Umfang reinvestiert worden. Deshalb ist die Spekulationslust auch gleich Null. Das zeigt sich besonders bei den Aktien der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, auf die man noch vor wenigen Wochen große Hoffnungen gesetzt hatte. Die Aussichten auf ein lukratives Abfindungsangebot sind geschwunden. Immerhin scheint ein gewisses Interesse daran zu bestehen, den Kurs nicht weiter sinken zu lassen.

Auch um die NSU-Aktien ist es in letzter Zeit still geblieben. Zwar ist die Abfindungsofferte, die der NSU-Schutzgemeinschaft vorlag und die von vornherein dubios erschien, geplatzt. Es bleibt jedoch die Hoffnung, daß Citroën die Zusammenarbeit mit NSU eines Tages auch von der Kapitalseite her untermauern wird. Deshalb dürfte sich bei den NSU-Aktien auf der jetzt erreichten Kursbasis das spekulative Interesse bald wieder beleben.

Freude an ihren Papieren hatten wieder die Schering-Aktionäre. Im Zusammenhang mit der Bezugsrechtnotierung machte dieses Papier wieder einen kräftigen Aufwärtssprung. Die meisten Schering-Aktionäre wollen die ihnen angebotenen jungen Aktien beziehen; viele sind gezwungen, sich zur Abrundung noch einige Bezugsrechte hinzuzukaufen. Die Bezugsfreudigkeit ist natürlich nicht nur ein Ausdruck der Treue zu dieser an der Anti-Baby-Pille gut verdienenden Gesellschaft. Im Hintergrund steht die Erwartung einer exzellenten Abfindung, Aber durch wen? Als Interessent (neben der Schering Corp. in USA, Bayer und Hoechst) wird jetzt auch die Quandt-Gruppe genannt.

K. W.