Lieber Student X!

Ich bin erst durch gewisse Ermahnungen der Herren Ritzel (SPD) und von der Heydte (CSU), besonders aber durch des Kanzlers Bemerkung, Sie sollten dafür dankbar sein, daß Sie überhaupt studieren dürfen, darauf gekommen, daß ich, als Steuerzahler, Ihr Eigenbzw. Miteigentümer bin. Um ehrlich zu sein: daß Sie mir ein wenig gehören, daß ich ein bißchen von Ihnen besitze, bereitet mir sogar ein gewisses Vergnügen. Und es gibt mir – und den Herren Ritzel, von der Heydte und vielen anderen – auch gewisse Rechte über Sie.

Uns kann es zum Beispiel nicht ganz gleichgültig sein, was Sie so mit Ihrer Zeit – auch mit Ihrer Freizeit! – und damit mit unseren Steuern anfangen. Herr Ritzel weist mit Recht darauf hin, was Ihnen auf Kosten der Steuerzahler zugute kommt und wie sehr Sie diese Leistung des Steuerzahlers und damit des Staates – verpflichtet! –

Ich höre, lieber Student X, Sie haben neulich an einem Protestmarsch teilgenommen. Haben Sie uns gefragt, ob das uns – Ihren Besitzern – recht ist? Hätten Sie sich statt dessen nicht besser auf Ihr Examen vorbereiten können? Glauben Sie, wir werfen unser Geld zum Fenster hinaus und könnten es nicht besser verwenden als für Ihr Studium?

Sie und Ihre Kommilitonen haben uns in jüngster Zeit viel Kummer bereitet. Wollen Sie sich das Wohlwollen Ihrer Gönner wirklich verscherzen? Beweisen Sie Reife, lassen Sie die Finger von der Politik, von der Sie in Ihren Jahren ja doch noch nichts verstehen können. Begreifen Sie endlich: Uns ist es keineswegs gleichgültig, was mit unserem Eigentum geschieht!

Uns gehört natürlich noch mehr. Mir gehört noch ein Bundeswehrsoldat, dazu ein Schützenpanzer HS 30 – und ein Ausschußmitglied, das herausfinden soll, was aus diesem geworden ist. Dann noch ein Starfighter, den Strauß für mich besorgte. Und auch das Transall-Flugzeug, an dem ich schön draufgezahlt habe.

Dann gehört mir auch ein Bauer, das ist ziemlich kostspielig, fast ein Luxus; vielleicht verkaufe ich meinen Anteil. Mir gehört ebenfalls ein Kumpel, den ich dafür bezahle, daß er keine Kohlen aus dem Stollen holt.